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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
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Die Urszene der Kirche
So sind die Gemeinden entstanden, so wächst auch heute immer neu der Glaube an Jesus. Jemand weist auf ihn hin. Einige gehen dem Hinweis nach. Und manche sagen dann schließlich: „Ja, dieser Jesus ist der Messias, der Sohn Gottes, der, an den ich mich halte, an den ich glaube.“ Eigentlich eine ganz einfache Geschichte – und doch höchst erstaunlich.


Kommt und seht!
Die Einladung Jesu gilt: Zu sehen, wie er unter den Menschen wohnt. In der Stille und im Gebet, im Gesang und im Gottesdienst, wo Menschen einander lieben und helfen. Gott hat viele Wohnungen unter den Menschen. Doch kurze Stippvisiten werden nicht ausreichen, sie zu entdecken. Die Jünger blieben einen ganzen Tag bei Jesus.


Alles menschliche Tun, sogar die Sünde, ist eine Suche nach Gott, nur sucht man Ihn meistens dort, wo er am wenigsten zu finden ist.

Ernesto Cardenal

15. Jänner 2006 - 2. Sonntag im Jahreskreis

Sie sagte zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister –, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit ihm und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm.

Mich macht neugierig, was das Evangelium nicht erzählt. Wie mag sie ausgesehen haben, die Wohnung Jesu? Interessanter noch: Wie würde sie wohl heute aussehen? Ich meine nicht die Möbel oder die Küche. Ich meine: Welche Bücher würden in den Regalen stehen, welche Fotos auf der Kommode? Welche Zeitung hätte er abonniert? Welche Art der Gastfreundschaft würde er pflegen?

Neugierig macht mich auch die Überlegung, was denn meine Antwort wäre auf seine Frage: Was willst du? Es ginge mir wohl nicht, wie vermutlich den zwei Jüngern, um die eine große Frage nach dem Messias, aber doch um die Hoffnung, mein Leben mit ihm anschauen zu können und dadurch besser die Wege zu verstehen, die ich schon gegangen bin und die ich noch einschlagen sollte. Aufmerksamkeit, Klärung und Ermutigung würd’ ich mir erhoffen.

Gott sei Dank sind Gespräche dieser Art und Tiefe auch mit einigen guten Freunden und Wegbegleitern möglich. Trotzdem weiß ich, wie oft sie nicht zustande kommen oder ich mich davor drücke, weil solche Gespräche viel Vertrauen und Mut erfordern: das Vertrauen in mein Angenommen-Sein, ganz egal, was ist, und den Mut, ganz offen und ehrlich mich selbst dem anderen mitzuteilen. Vertrauen und Mut dieser Art wachsen da, wo auch der andere bereit ist, sich ganz einzubringen; Jesus drückt das mit den wunderbaren Worten aus: „Kommt und seht!“ Vielleicht bekommt man ja immer da, wo Menschen einander mit dieser Offenheit begegnen, eine Ahnung davon, wie Jesu Wohnung heute aussehen würde.





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag Aachen - Hans Reithofer

Beitrag online bis 12.2.2006 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (12.1.06 - 19.01.06 - ) / 1293 / 167