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Wer betreibt die Schule?
Die Hallein-Schule im südindischen Ort Vadipatty wird von einem in Indien sehr aktiven Orden geleitet. Roman Anlanger stellt diesen Orden vor.
Brothers of the Sacred Heart of Jesus - Brüder vom heiligen Herz Jesu Die Halleiner Schule „St.Charles Highschool“ in Vadiaptty im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu wurde vom Orden „Brothers of the Sacred Heart of Jesus“ gebaut und wird jetzt auch von diesem Laienorden - dieser Kongegration - geführt. Der Orden „Brothers of the Sacred Heart of Jesus“ (nachfolgend SHJ genannt) ist ein reiner Laienorden, das heißt die Mitglieder dieses Männerordens sind Brüder - Brothers und keine Geistlichen - Patres. Der Orden SHJ wurde 1903 vom französichen Jesuitenpater Adrian Caussanel gegründet, ist also schon über 100 Jahre alt. In einer Broschüre des Ordens steht über den Gründer unter anderem: „Fr. Caussanel brachte Licht in das Leben von Tausenden, zahllose Menschen wurden durch ihn angesprochen, sein Leben brachte eine reiche Ernte ein“. Heute ist der Orden eine rein indische Kongregation, ohne Europäer oder andere Nichtinder in seinen Reihen. Gegründet wurde der Orden im kleinen Dorf mit dem für uns schwer aussprechbarem Namen „Iradayakulam“, das in Tamil Nadu am Fuß der „Western Ghats liegt“, das sind die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Berge, die Tamil Nadu vom indischen Bundesstaat Kerala trennen. Pt. Caussanel begann seine Arbeit mit 9 Novizen. Seit damals ist der Orden ständig gewachsen und hat derzeit an die 200 Brüder, die die Gelübde abgelegt haben. Über 100 junge Menschen bereiten sich auf den Eintritt in den Orden vor. Der Sitz des Ordens ist nun Palyamkottai, fast an der Südspitze des indischen Subkontinents gelegen. Über das Wachsen der Kongregation schreibt der Orden folgendes: Unsere Kongregation wächst durch das dynamische Gebet und die Zuwendung zum heiligsten Herzen Jesu. In den letzten Jahren gab es rasche und phänomenale Erweiterungen der missionarischen Aktivitäten. Obwohl unser Orden mit Aufgaben konfrontiert wird, die die vorhandenen Fähigkeiten, Möglichkeiten überschreiten, haben wir ein nicht zu erschütterndes Gottvertrauen. Gottes Geist macht uns zu freudigen, liebenden, aufopferungsvoll dienenden, Zeugnis gebenden und wenn erforderlich freudig leidenden Menschen.
Wie kommt Hallein zu den Brothers of the Sacred Heart of Jesus Vielen von euch wird Pt. Karl Ritz noch in Erinnerung sein, der über Jahrzehnte die Kontaktperson des Arbeitskreises in Indien war und mit dem zahlreiche Sozialprojekte realisiert wurden. Er gehört auch zu den geistigen Vätern der Halleiner Schule in Vadipatty. Er fühlte sich jedoch zu alt und nicht mehr zuständig für einen Schulneubau, obwohl er in jüngeren Jahren ein großes Priesterseminar gebaut hatte und vermittelte nun den Kontakt zu den „Brothers of the Sacred Heart of Jesus“.
Good News to the Poor Der Leitspruch des Ordens ist; „Good News to the Poor in the Love of the Sacred Heart“ – „Gutes für die Armen in der Liebe zum heiligen Herzen Jesu“. Das hört sich alles vielleicht für unser Denken und Fühlen ein wenig bigott und übertrieben an, doch es entspricht der indischen Ausdrucks-und Denkweise. Die Brüder sind alles andere als stille Beter, die vor der Not der Welt die Augen verschließen. Es sind Menschen mit zum Teil phantastischer Ausbildung, die wirklich fröhlich, hingebungsvoll und initiativ unterwegs sind, um den Armen, vor allem den Kastenlosen, Gutes zu bringen. Das Beisammensein mit den Brüdern ist alles andere als langweilig, es sind lustige, lachende, tatkräftige Menschen. Von vielen der Brüder spürt man auch die Geistigkeit mit der sie leben und ich selbst habe bei einigen das Charisma ihrer Berufung erlebt. Ganz besonders ins Herz geschlossen habe ich z.Bsp. Br. Arulraj, einen weißhaarigen über 80 Jahre alten Bruder, der stundenlang meditierend im Gebet verbringen kann und der für mich eine überaus väterliche, über dem Alltag stehende Erscheinung ist. Ich denke da auch an Br. Bonifce, der heuer als Lehrer in Pension gehen wird und der mit viel Umsicht und Einsatz die Schule in Vadipatty aus dem Nichts zu ihrer heutigen Bedeutung mit über 800 Schülern geführt hat; oder Br. Augustin, der uns Ende Oktober 2005 besucht hatte, der immer ein Lächeln im Gesicht trägt, voller Humor ist und durch seine kleinen menschlichen Laster wie einige Zigarettchen am Tag und gelegentlich ein Glas Bier sehr menschlich ist.
Die Einrichtungen des Ordens Die Brüder leben in kleinen Gemeinschaften in einfachen Verhältnissen und betreiben folgende Einrichtungen.- 29 Grund und Hauptschulen
- 1 Blindenschule
- 1 Schule für Kinderlähmungsgeschädigte
- 3 Technische Trainingsstätten
- 4 Medizinische Stationen
- 11 Kinderheime
- 5 Studentenheime
- 3 Tagesbetreuungsstätten für Alte
- 5 Kinderhorte
- 5 Ausbildungsstätten
- 2 Eingeborenenentwicklungszentren
In ihrer Tätigkeit bevorzugen die Brüder die Arbeit mit den Armen (Kastenlosen), den Unterdrückten, jungen Menschen die die Schulausbildung nicht abschließen konnten, damit sie aus der gesellschaftlichen Entwicklung nicht ausgeschlossen sind. Dazu gibt es Sonderprojekte, wie z.Bsp. die „CHRISTIAN FOUNDATION FOR CHILDREN & AGING“ – „CHRISTLICHE STIFTUNG FÜR KINDER UND ALTE“. Diese Stiftung bezieht ihre Mittel aus einer gleichnamigen Stiftung in Kansas City in den Vereinigten Staaten. Diese Einrichtung betreut 2.700 Waisenkinder, Halbwaisen, verlassene Kinder, Arme und Notleidende, um ihnen eine Erziehung zu ermöglichen und ihre Lebensumstände zu verbessern. Hierbei hat jedes Kind einen Paten, der über die Entwicklung und den Werdegang seines Patenkindes laufend informiert wird. Eine mühsame, aufwendige Arbeit, aber es geschieht zum Wohl der betreuten Kinder.
Die Ausbildung der Ordensbrüder Die Ausbildung der Ordensbrüder befindet sich auf einem sehr hohen Niveau. Viele von ihnen sind Akademiker, die zum Teil in Europa studiert haben. Es genügt nicht einfach guten Willens zu sein, sondern der Orden braucht Juristen, die die Rechte der Dalits (Ünberührbare) gegenüber den Großgrundbesitzern verteidigen, die die Rechte der Schulen auf Übernahme der Kosten durch den Staat erkämpfen. Der Orden braucht Soziologen die die gesellschaftlichen Veränderungen erkennen können, die in der Lage sind, die vorhandenen zum Teil sehr starken Strukturen zum Positiven zu verändern und er braucht gut ausgebildete Pädagogen, die zusammen mit lokalen Lehrern die diversen Schulen führen, die Kinder betreuen können, aber auch die Ausbildung von neuen Lehrern übernehmen können. Es ist ein breites Spektrum von Arbeiten und Aktivitäten, die von den Brüdern wahr genommen werden müssen. Prioriäten Die Hauptaufgabe des Ordens besteht im Sinne des Evangeliums hauptsächlich für die Armen da zu sein. Die Brüder leben in einfachen Gemeinschaften, ohne Luxus und teilen das Leben der Menschen, die sie in ihrer Umgebung betreuen, denen sie Ausbildung und Hilfe geben. Ein wichtiger Punkt im Tagesverlauf ist für die Brüder das Gebet. Sie versichern mir auch immer, dass wir, die Halleiner, ihre Wohltäter im täglichen Gebet eingeschlossen sind. Auf die Frage, warum ein Laienorden mit Brüdern neben den Patres notwenig ist, sagten sie mir, dass bei ihnen die tätige Nächstenliebe, das Tun, die Tat, Vorrang gegenüber den Aufgaben eines Priesters mit Messe lesen, Beichte hören usw. habe.
Gastfreundschaft – gegenseitige Bereicherung Wenn ich bei den Brüdern, speziell in Vadipatty zu Gast bin, dann kann ich mich der Gastfreundschaft kaum erwehren. Bruder Boniface der Schulleiter räumt sein Zimmer für mich, weil es das kühlste Zimmer im Haus ist, Beedis (ganz kleine Spezialzigaretten) liegen für mich bereit, Bier wird für mich eingekühlt und ich muss darauf bestehen, dass ganz einfach gekocht wird, so wie es im Alltag auch der Fall ist, denn sonst kann ich mich der Überfülle der Speisen nicht erwehren, die man mir anbietet. Man lässt es sich auch nicht nehmen ein Theater oder Tänze aufzuführen, wenn ich oder sonst wer aus Hallein zu Besuch kommt. Es ist ausgesprochen schwierig, wenn ich alleine unterwegs sein will, denn sie glauben immer, dass ich einen Beschützer an meiner Seite brauche. Es ist eine echte Gastfreundschaft, die ich hier erlebe, die nicht nur wegen der von Hallein erwarteten Hilfe gegeben ist. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht wieder eine bereit gelegte Mückencreme als Zahnpaste verwende. Oft wurde ich gefragt, was haben wir davon, dass wir uns um Christen in Indien kümmern. Wir geben Geld, aber wir bekommen viel zurück, das nicht gekauft werden kann. Wir können erleben, wie die Brüder des Ordens das Evangelium leben, praktizieren, wie sie ihr ganzes Leben der Jugend, den Mitmenschen widmen, wir können uns die tiefe Religiosität, die Spiritualität, das Meditieren dieser Menschen als Vorbild nehmen. Dank – Bei meinem letzten Besuch in Vadipatty fotografierte ich die Schüler abseits der Schule, denn vor der Schule war der Wirbel zu groß, da bedrängten mich all die Schüler. Da kam einer der Schüler, er mag um die 10 gewesen sein und schenkte mir eine große Sonnenblume. Abgesehen davon, dass mein Herz dahin schmolz, weil er mich an meine gleichaltrigen Enkelkinder erinnerte, es war ein wunderbarer Augenblick, wie mir der lächelnde braune Bub mit seinen schneeweißen Zähnen und blitzenden Augen, die Blume übergab. Das Lächeln der Kindern, die mir in der Schule begegneten – der schönste Dank den man erleben kann und diesen möchte ich an alle Freunde und Förderer der Schule weiter geben.
So nebenbei – oder doch nicht nebenbei – Ergänzendes Briefkopf - Das sei auch einmal erwähnt, weil es viele nicht wissen werden. Das Logo des Arbeitskreises, der Briefkopf wurde vor Jahren vom Halleiner Künstler Walter Grillenberger, der auch im Arbeitskreis mitarbeitet, geschaffen. Es symbolisiert einerseits Bolivien, wo wir mit den Halleiner Schulschwestern neben Indien über viele Jahre zusammen gearbeitet haben durch den Poncho, den Hut, eine Panflöte und den Kaktus, andererseits ist Indien durch die mit Stroh gedeckte Hütte und die Palme vertreten. Kranzspenden - Mehrfach schon haben Angehörige von Verstorbenen gebeten, auf aufwendige Kranzspenden zu verzichten und dafür soziale Projekte zu unterstützen. So wurden auch schon mehrfach die Projekte des Arbeitskreises auf diese Art und Weise unterstützt. Geburtstag - Vor kurzem hat auch ein sehr rüstiger 80er gebeten, anstelle von Geschenken den Arbeitskreis zu unterstützen. Es hat sich gelohnt und Kleinigkeiten sind für den Jubilar trotzdem übrig geblieben. Dem Jubilar nochmals alles Gute. Kontonummer – Falls Bedarf gegeben, für den Arbeitskreis kann auf folgende Kontos zugunsten der Schulerweiterung in Vadipatty eingezahlt werden, wobei Daueraufträge natürlich recht bequem sind. Raiffeisenbank Hallein Kt. Nr. 1013283 Bankleitzahl 35122 Salzburger Sparkasse Bank AG Kt. Nr. 6009008285 Bankleitzahl 20404 Nächster Rundbrief Der nächste Rundbrief wird sich mit dem Dorf Vadipatty, wo sich die Halleiner Schule befindet, befassen. So nebenbei, das Dorf hat an die 16.000 Einwohner. Fragen? Mailadresse? Haben Sie Fragen zur Halleiner Schule in Vadipatty? Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir. Haben Sie eine Mailadresse? Wenn möglich, so teilen Sie mir diese bitte mit.
Autor / Quelle: DI Roman Anlanger / Gerti Saler (Kassenwart)
Beitrag online bis 31.12.2010 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (25.3.06 - 26.04.06 - ) / 1391 / 738
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