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 © Helmut Meisl

 Haus Mirjam
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Anlässlich 12 Jahre Haus Mirjam wurde zuletzt in die "Alte Schmiede" eingeladen. Wieviel hat sich seitdem (zum Besseren) geändert?


Mit der Sängerin Simone Klebel (Homepage) hat sich eine kongeniale Partnerin gefunden, die uns an diesem Abend mit ihren Liedern unterstützt, das zu vermitteln, was unser Anliegen ist.
(Foto: Homepage Simone Klebel)



Frauenhaus Hallein, Haus Mirjam
Postfach 36
5400 Hallein
Tel 06245/80261
Fax: 06245/80261-2
hausmirjam@aon.at

Nicht mehr und nicht weniger

Um 15 Jahre Frauenhaus Hallein „Haus Mirjam“ geht es bei einer Veranstaltung am 24. November 2006, 19.30 Uhr in der Alten Schmiede Hallein.


Resümee
Jubiläen geben Anlass ein Resümee zu ziehen. Für das Frauenhaus Hallein ergibt sich ein Rückblick auf 15 Jahre engagierte Arbeit mit Frauen und Kindern aus familiären Gewaltsituationen. Ein stetiges adaptieren der Arbeitsansätze an sich verändernde soziale und gesellschaftliche Grundbedingungen war und ist notwendig. Die Anforderungen an die professionellen Fähigkeiten des Teams sind gewachsen.

Was sind die markantesten Entwicklungen zwischen dem Damals und Heute?
Frauen (und deren Kinder) kommen heute großteils mit schweren posttraumatischen Belastungsstörungen ins Haus. Die lange Zeit der physischen und psychischen Gewalteinwirkung hat in der Seele massive Schäden verursacht. Zusätzlich zu den bekannten Faktoren, wie Scham- und Schuldgefühlen, scheint vermehrt auch die allgemeine wirtschaftlich schwierigere Lage die Frauen noch länger in der Gewaltsituation zu halten. Weil eben die Perspektive fehlt einen Neuanfang alleine (mit den Kindern) zu schaffen. Je länger jedoch die Situation andauert, desto gravierender sind die Folgen.
Die Fremdengesetze haben sich zunehmend verschärft. D.h. ausländische Frauen stehen immer öfter schutzlos zwischen ihrer oft „recht-armen“ Situation in Österreich und einer Rückkehr in die lebensbedrohliche Welt ihrer Heimat, die Frauen ohne Männer wie eine Rattenplage wahr nimmt, wie es in einem indischen Film einmal plastisch betitelt wurde.

Das Bewusstsein der Bevölkerung zum Thema Gewalt in der Familie hat sich erweitert, und doch gibt es noch viel zu tun, um möglichst vielen Alters- und Zielgruppen in Diskussionen, Gesprächen und Vorträgen zu vermitteln, dass Gewalt in der Familie tatsächlich jede 5. Frau in Österreich betrifft, und dass diese Grausamkeiten eben in der Nachbarschaft stattfinden – und nicht weit weg oder nur sozial unten oder nur bei denen die ganz anders sind.

Grund für Freude und Stolz darf für ein Einrichtung Frauenhaus nach 15 Jahren des Bestehens durchaus auch sein: Dass es die Einrichtung noch gibt. Zunehmend fallen soziale Institutionen Einsparungen zum Opfer oder müssen ihre Angebote bis an die Grenze der Sinnhaftigkeit reduzieren. Die 15 - jährige Geschichte des Hauses Mirjam ist auch eine Geschichte des Mahnens und Kämpfens, was unverzichtbar ist für Frauen und Kinder aus Gewaltsituationen, um sinnvoll und langfristig helfen zu können. Besonders unterstützend für das Team des Hauses war in den letzten Jahren der enorme Rückhalt und Unterstützungswille aus der Bevölkerung.

Diese wachsende Beziehung mit dem engeren und weiteren Umfeld des Hauses ist auch der Auslöser für eine öffentliche Veranstaltung zum 15-jährigen Jubiläum am 24. November 2006, dem Vorabend des „Tages gegen Gewalt an Frauen“. Unter dem Titel „nicht mehr und nicht weniger“ ist das Ziel eben auch öffentlich von der Arbeit mit Frauen und Kindern, von den Anliegen und Herausforderungen, die die Einrichtung begleiten, zu sprechen. Nicht zuletzt ist dieser Abend auch die Möglichkeit für einen öffentlichen Dank für die finanzielle und ideelle Unterstützung aus der Bevölkerung, ohne die unsere Arbeit nicht weitergehen kann.

Mit der Sängerin Simone Klebel hat sich eine kongeniale Partnerin gefunden, die uns an diesem Abend mit ihren Liedern unterstützt, das zu vermitteln, was unser Anliegen ist.

Literaturwerkstatt - ein nachhaltiges Projekt zum 15 - jährigen Jubiläum
Das Thema Gewalt in der Familie ist nach wie vor schwer vermittelbar. Allzu oft reagiert die Öffentlichkeit mit Abwehr oder einem Verdrängen der Tatsachen in die Ferne anderer Länder, Kulturen oder sozialen Schichten.
Es scheint die Unglaublichkeit der Tatsachen zu sein, die Menschen im Außen an der Glaubwürdigkeit zweifeln lässt, sie verunsichert bezüglich des Wahrheitsgehaltes oder sie abwenden lässt, weil sie die Tatsachen vielleicht nicht ertragen.

Aufgrund dieser Erfahrungen ist die Idee zu einer Schreibwerkstätte entstanden. Die von familiärer Gewalt betroffenen Frauen, die zu uns geflüchtet sind, sollen dadurch einmal in der Öffentlichkeit selbst zu Wort kommen.

Brita Steinwendtner hat sich spontan bereit erklärt, die Schreibwerkstätte zu leiten. Mit ihr als behutsame Wegbegleiterin ist der intime Rahmen entstanden, der für die Frauen - nach einer langen Zeit des angstvollen Schweigens - den Weg frei gemacht hat, sich auszudrücken und Gefühle mitzuteilen.

Die Ergebnisse wurden in einem kleinen Büchlein zusammengefasst. Bei der Veranstaltung am 24. November wird dieses erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Der Verkauf jedes Büchleins, idealer Weise auch in größerem Rahmen an Firmen, ist als Baustein für die Errichtung von dringend erforderlichen Schutzeinrichtungen im Eingangsbereich des Frauenhauses zu verstehen.

Entstehung und Ziele
Als eines von drei Salzburger Frauenhäusern besteht das Haus nunmehr seit fünfzehn Jahren. Die Gründung verdankt es Sr. Adele von der Kongregation der Halleiner Schulschwestern, die als Leiterin die Einrichtung in der Pionierphase durch die ersten 10 Jahre gelenkt hat. Der rechtliche Rahmen wurde zwischen der Kolpingfamilie Hallein als Trägerverein sowie einer verantwortungsvollen Salzburger Landespolitik vereinbart, die sich damals zielorientiert für das Projekt im Tennengau einsetzte. Die Pfarre Hallein stellt über all die Jahre das Gebäude und den Garten mit der Auflage der Erhaltung der Bausubstanz kostenlos zur Verfügung. Die Kongregation der Halleiner Schulschwestern hat das Projekt ebenfalls maßgeblich unterstützt.

In diesen fünfzehn Jahren entstand eine für die Region und das Land Salzburg unverzichtbare Einrichtung. Für über 760 Frauen und Kindern (Stand Oktober 2006) wurde das Haus Mirjam seit seiner Entstehung eine wichtige Zufluchtsstätte. Nach dem Austritt der Schwestern im Jahr 2002, die zusätzlich zu ihrer Tätigkeit auch im Haus wohnten und den Dienst rund um die Uhr karitativ leisteten, wurde das Fachteam im Sinne des Betreuungskonzeptes um den 24 - Stundendienst erweitert. Krisen nehmen auf Büro- oder Geschäftszeiten wenig Rücksicht. Wir sprechen hier von den 365 Nächten eines Jahres, von 52 Wochenenden und den Feiertagen. Das Konzept zielt auf die Erarbeitung von langfristig funktionierenden Lösungen ab. Lösungen, die eine Frau mit ihren Kindern befähigen, möglichst eigenständig ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Es ist das Bekenntnis zu einer Arbeitshaltung, die gewalterfahrene Frauen und Kinder nicht nur „verwahrt“, sondern professionell schützen, begleiten und beraten will und wird.

Ungebrochene Nachfrage
Ein Frauenhaus bietet misshandelten Frauen und Kindern die Chance, die Spirale der familiären Gewalt zu durchbrechen. Viele Monate im Jahr ist das Haus überfüllt und allein im Zeitraum 2004 bis Oktober 2006 wurden bereits mehr als 68 Frauen und deren Kinder wegen Platzmangel abgewiesen. Auf die Frage, wo denn sonst hingehen, können wir keine Antwort geben. Die Situation ist mit den anderen Frauenhäusern vergleichbar.

Mehr Plätze durch Kapazitätserweiterung
Im Jahr 2005 fand eine Kapazitätserweiterung von 6 auf 8 Einheiten statt. Damit stehen zusätzlich zwei vollwertige Plätze für Frauen und Kinder bereit. Das sind um 33% mehr als bisher oder ca. 1500 zusätzliche Übernachtungen / Aufenthaltstage für Frauen und Kinder pro Jahr. Dies entspricht einerseits dem gestiegenen Bedarf und brachte andererseits zusätzliche Finanzmittel. Zunächst bedeutete es für das Frauenhaus Investitionen in die Zimmeradaptierung, Installation und Möblierung. Aber es schafft berechtigte Hoffnung auf weniger Abweisungen von Frauen und Kinder und eine etwas weniger angespannte Budgetsituation für künftige Jahre.

Die Jahre 2003 – 2006
2003 waren wir fast vor dem Zusperren; diese Gefahr ist dankenswerter Weise gebannt. Genauer gesagt, wir sind kein hoffnungsloser Fall mehr oder „ein Fass ohne Boden.“ Im Jahr 2006, nach 15 Jahren Haus Mirjam, blicken wir mit etwas Hoffnung in die Zukunft. Mit Hilfe von organisatorischen Veränderungen, z.B. bei der Dienstplangestaltung, dem verstärkten Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiter, durch Einsparungen im betriebswirtschaftlichen Bereich, dazu dem Ausbau auf 8 komplette Einheiten für Frauen und Kinder, konnten wir den Vorwurf „klein ist gleich teuer“ abwehren. Einem Vergleich mit anderen Einrichtungen können wir, unter Anwendung objektiver / fairer Vergleichskriterien, durchaus standhalten.

Arbeiten im Frauenhaus - die Personalsituation
Für die vielfältigen Anforderungen und Aufgabengebiete in einem Frauenhaus werden qualifizierte Mitarbeiterinnen gebraucht.
Im Frauenhaus Hallein sind ausschließlich Teilzeitkräfte beschäftigt. Umgerechnet auf Vollzeitkräfte entspricht dies 6 Mitarbeiterinnen, die in den Bereichen Beratung, Betreuung, Begleitung, Kinder und Jugendliche, Journal- und Nachtdienst beschäftigt sind. Hinzu kommen noch 1,4 Vollzeitkräfte für fachliche Leitung, Wirtschaft, Controlling und Hausmanagement.
Der seit 2005 existierende Mindestlohntarif für Angestellte in sozialen Diensten stellt einen großen Schritt in Richtung objektivere Entlohnungskriterien für diesen Bereich dar. Nun können sich alle Auftraggeber an diesen Standards orientieren, im Tag- ebenso wie im Nachtdienst. Gleichzeitig bedeutet dieser Kollektivvertrag eine neue Herausforderung hinsichtlich der budgetären Absicherung des Frauenhauses durch die Auftraggeber. Neue Unsicherheit besteht darin, ob es auch in den Folgejahren gelingen wird, die Mittel für den Mindestlohntarif bereitzustellen.

Auftraggeber und Finanzierung
Mit dem Land Salzburg / Büro für Frauenfragen und Chancengleichheit als Auftraggeberin werden die Förderverträge jährlich neu verhandelt. Den inhaltlichen Rahmen bilden die aus einem Produktentwicklungsprozess hervorgegangenen Beschreibungen der Produkte und Leistungen. Diese werden durch ein vom Land vorgegebenes Kennzahlensystem evaluiert.
Das Land Salzburg trägt derzeit ca. 85% der geplanten Ausgaben, ca. 5,4% übernehmen die Ministerien für Justiz und für Frauen, mit ca. 2,8% unterstützt uns die Stadtgemeinde Hallein. Die restlichen ca. 6,8% sind zum einen rein theoretisch von den Bewohnerinnen des Frauenhauses als Eigenleistung aufzubringen, allerdings lassen die finanziellen Möglichkeiten der Frauen dies nur sehr selten zu. Zum anderen über private Spender und Sponsoren in mühevoller Kleinarbeit und vielen Mitarbeiterstunden zu beschaffen. Dieser Anteil beträgt für dieses Jahr ca. € 23.900.--, davon fehlen uns noch an die € 11.000.--

Kooperationen als Qualitätsbeweis
Gelungene Kooperationen geben der geleisteten Arbeit die Wertschätzung durch die Anerkennung und fortgesetzte Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern.
Im Rahmen der psychosozialen und juristischen Prozessbegleitung ist das Halleiner Frauenhaus, als eines der ersten Frauenhäuser Österreichs, seit dem Jahr 2004 Kooperationspartner des Bundesministeriums für Justiz.

Seit mehreren Jahren ist das Team des Hauses Mirjam Vollmitglied im Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser, der gemeinsamen Plattform für die Anliegen der Österreichischen Frauenhäuser mit internationaler Ausrichtung.

Das Bundesministerium für Generationen und Frauen unterstützt jährlich unsere Arbeit für frauenspezifische Beratung und im Gewaltschutzbereich.

Das Arbeitsmarktservice fördert die Weiterbildung der Mitarbeiterinnen gemeinsam mit dem europäischen Sozialfonds.

Danke sagen
Ein großer Dank geht an die Bevölkerung für die finanzielle und ideelle Unterstützung und die ungezählten Sachspenden. Ein besonderer Dank geht ebenso an die privaten Sponsoren und öffentlichen Subventionsgeber.

Wünsche an die Zukunft
Eines der vordringlichsten Anliegen ist der Abschluss mehrjähriger „Förderverträge“ mit dem Land Salzburg, damit die permanente Unsicherheit bei den Frauen und Kindern und bei den Mitarbeiterinnen herabgesetzt wird. Zusätzlich sind auf dieser Basis die Aussichten bei privaten Sponsoren und bei Werbevertragspartnern Erfolg versprechender.

Wir wünschen uns die Wertschätzung der fachlich anspruchsvollen Arbeit durch umfassendere Thematisierung im Rahmen der politischen Arbeit. Anerkennung unserer Arbeit heißt aber auch zu akzeptieren, dass das Wiederfinden eines selbständigen und selbstbestimmten Lebens für die Frauen nicht immer auf dem kürzesten und linearen Weg passieren kann.

Bei der Evaluation unserer Leistungen wird offensichtlich, welche Kosten durch die notwendende Einbindung der Kinder in die fachliche Arbeit im Frauenhaus resultieren. Eine adäquate Berücksichtigung dieses Umstandes auf breiter Basis ist uns ein besonderes Anliegen.
Das Halleiner Frauenhaus zählt zu den Gewaltschutzeinrichtungen. Damit ist bereits das Ziel beschrieben; es sind Frauen und Kinder vor der zunehmenden Gewalt zu beschützen. Ein sehr konkretes Anliegen und ein wesentlicher Wunsch ist die Verbesserung der Gebäudesicherheit zum besseren Schutz der Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen. Das betrifft den denkmalgeschützten Eingangsbereich des Hauses, der mit besseren Schutzvorrichtungen auszustatten ist. Gleichzeitig sind die Fluchtwege zu verbessern und ein Teil des Daches ist dringend zu sanieren. Die Dachsanierung wird seit mehreren Jahren immer auf das Folgejahr verschoben, weil die Mittel noch immer nicht dafür reichen. Daher die Bitte an die Bevölkerung von Stadt und Land – uns weiterhin zu unterstützen und die Arbeit des Frauenhauses mit zutragen.





Autor / Quelle: Doris Weißenberger

Beitrag online bis 31.12.2007 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (20.11.06 - 24.11.06 - ) / 1579 / 643