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 © Helmut Meisl

 Evangelische Gemeinde
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Ferien! Zeit zum Lesen, Vorlesen, Nachlesen.

Eine entzückende Weihnachtsgeschichte von Hartmut Schwaiger

Die Tiere von Bethlehem

Jeder kennt doch die wunderschöne Geschichte von der Geburt Jesu im
Stall von Bethlehem. Wie Josef und Maria kein anderes Quartier finden als den Stall, wie Maria den kleinen Jesus wickelt und in die Futterkrippe legt, wie die Hirten und Engel kommen, dann die drei Weisen aus dem Morgenland und natürlich kennt jeder den Stern von Bethlehem, der allen mit seinem hellen Licht den Weg weist, damit sie gut hinfinden zum kleinen Jesus.
Ja, und natürlich kennen auch alle die zwei Tiere, den Ochsen und
den Esel, die in der Krippe dabei sind. Aber genau an dieser Stelle der Geschichte muss man sagen, dass da ein bisschen etwas vergessen
worden ist (Das darf man den Erzählern der Weihnachtsgeschichte
nicht übelnehmen; in so einer aufregenden Nacht, da kann es schon
sein, dass man mal etwas übersieht). Aber ich möchte es euch jetzt
doch verraten, was da vergessen worden ist: die vielen anderen Tiere
nämlich, die auch alle dabei waren und die auch alle ihren Anteil an der wunderschönen Weihnachtsgeschichte haben. Die Spinne zum Beispiel, von der hat noch nie jemand etwas gehört. Aber die hatte ein ganz großes Netz über der Krippe gespannt und da hat sie all die schönen Träume eingefangen und aufbewahrt, die der kleine Jesus geträumt hat, während der schlief. Und diese Träume, die hat sie dann dem Wind mitgegeben, der sie heute noch mit sich trägt und an alle schlafenden Kinder dieser Welt verteilt.
Oder die Fliege. Was ist denn schon besonders an einer Fliege,werdet
ihr jetzt fragen? Aber halt, die Fliege war wichtig. Die hat das Baby nämlich immer an der Nase gekitzelt, wenn es wach war und was macht man, wenn man gekitzelt wird? Richtig, man muss lächeln. Also hat die Fliege dafür gesorgt, dass es immer fröhlich war im Stall. Denn wenn ein Baby lächelt, dann sind alle Menschen um es herum glücklich, das ist einfach so und das ist schön so.
Dann wäre da noch eine Grille. Ihr wisst ja, Grillen, die zirpen
wunderschön. Wenn der kleine Jesus dieses Zirpen hörte, dann hat er
immer ganz aufmerksam zugehört. Und wer aufmerksam zuhört, der
schaut sehr konzentriert drein. Immer, wenn die Grille so gezirpt und der kleine Jesus so genau zugehört hat, dann hat die Maria zu Josef gesagt:“ Schau mal Josef, wie klug unser Kind schauen kann.“ Und über ein Kind, das klug schaut, freuen sich die Eltern sehr, denn wer möchte denn nicht, dass sein Kind gescheit ist? (Dass eigentlich alle Kinder gescheit sind und es nur manche Erwachsene
nicht erkennen können, das ist wieder eine andere Geschichte, aber
das ist ein Erwachsenen-Problem, das wir jetzt nicht lösen werden.)

Ein Vogel war übrigens auch noch im Stall dabei. Ein Kuckuck, um
genau zu sein. Nun wisst ihr ja wahrscheinlich, dass der Kuckuck
normalerweise ein fauler Bursche ist, der seine Kinder von anderen
aufziehen lässt. Aber in dieser besonderen Nacht da hat zumindest
dieser eine Kuckuck es besser gemacht. Der hat nämlich die ganze
Nacht über immer wieder am Heu und Stroh von der Krippe, in der der
kleine Jesus gelegen ist, herumgezupft, damit das Baby auch wirklich
gut liegt und sich wohl fühlt.
So könnte man noch viele, viele Tiere aufzählen, die alle dabei waren, aber da müssten wir sehr lange hier sitzen. Nur von einem Tier möchte ich euch noch berichten, weil das wirklich kaum jemand weiß: Ein Glühwürmchen war damals in Bethlehem im Stall dabei. Was kann denn so ein kleines Glühwürmchen schon groß für ein Menschenbaby tun?, werdet ihr fragen. Und eigentlich habt ihr Recht. Eigentlich, eigentlich kann es nichts tun. Aber dieses Glühwürmchen hat sich einfach so sehr darüber gefreut, dass es damals dabei sein durfte, dass es sich gedacht hat: „Ich setze mich aufs Dach des Stalles und leuchte allen, die das Baby besuchen wollen, den Weg hierher, damit sie auch herfinden“. Und so ist es da oben am Dachgiebel gesessen und hat die ganze Nacht geleuchtet, so fest und so gut es nur konnte. Gut, der Stern über dem Stall, der war viel heller und hat wahrscheinlich mehr Leuten den Weg gezeigt, als das kleine Glühwürmchen. Aber ist es nicht der Wille, der zählt?








Autor / Quelle: Hartmut Schwaiger

Beitrag online bis 1.2.2008 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (2.1.08 - 02.01.08 - ) / 2012 / 210