Diese Seite als Druckausgabe
Ist der Mensch nicht tatsächlich mehr als Gebilde oder getöpferte Gefäße? Bedeutet nicht das Geschaffensein zu Gottes Ebenbild genau das: fragen zu können, zu bitten, zu klagen, Gott auch herauszufordern? Im Gespräch mit ihm um Antworten zu ringen? Ich glaube schon – und zugleich glaube ich: Ohne Gott werden wir auf unsere Fragen keine Lösung finden. Und ich hoffe: Seine letzte Antwort wird Barmherzigkeit sein.
|
20. Jänner 2008 - Septuagesimae VI
Wenn ich Paulus lese, muss ich immer tief Luft holen. Besonders heute. Da ist nichts zu machen als tief durchzuatmen und zu hoffen, die Worte des Paulus verstehen zu können.
Das mach ich mal! Bibelwort: Römer 9,14-24
Wer bist du denn, Mensch, dass du mit Gott dein Leben aufrechnen willst?, schreibt Paulus den Christen in Rom. Gott kann machen, was er will. Auch mit Menschen. Seit wann beschwert sich denn der Ton über das, was der Töpfer mit ihm macht? Gott also kann seine Gefäße streicheln oder in Stücke schlagen, sagt Paulus. Alles liegt einzig und allein an Gottes Erbarmen.
Einerseits klingt das furchtbar, andererseits sehr tröstlich. Und Paulus hat ja Recht. Und er erlebt dieses Recht Gottes sogar noch am eigenen Leib. Paulus ist kränkelnd sein Leben lang. Paulus ist selten zufrieden mit seiner körperlichen Gestalt. Paulus erlebt sich als geprüft. Und wenn er – was wir nicht so genau wissen – mit Gott gezürnt hat, dann ist das Ergebnis doch immer das Gleiche: Er fügt sich in sein Geschick. Genauer gesagt: Er anerkennt die Größe, die Macht und den Willen Gottes. Und gibt damit ein Beispiel für das, was ich machen kann. Ich kann Ja sagen zu Gottes Willen. Möglichst ohne Wenn und Aber. Und werde dann wie Paulus erkennen, dass alles Tun Gottes an mir nichts anderes ist als Erbarmen, hoffentlich.
Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag Aachen - Michael Becker
Beitrag online bis 31.1.2008 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (17.1.08 - 24.01.08 - ) / 2028 / 207
|