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 © Helmut Meisl

 Wir in der EINEN Welt
Diese Seite als Druckausgabe







Festlicher Abend in Vadipatty

Vadipatty liegt im südindischen Staat „Tamil Nadu“. Hier hat der Arbeitskreis „Wir in der EINEN Welt“ der Pfarre Hallein, den Bau einer nunmehr sehr großen Schule ermöglicht.

Mit einem roten Farbpunkt auf der Stirn und einer duftenden Blumenkette um den Hals wird die Halleiner Gruppe im Jänner 2008 von Trommlern begleitet, zu den reservierten Sitzplätzen vor der eigens aufgebauten Bühne geführt. Zur Begrüßung und als Willkommensgruß der Halleiner Gruppe hat man den Jahrestag der St. Charles School, der Halleiner Schule in Vadipatty in den Zeitraum des Besuches der Halleiner vom Arbeitskreis „Wir in der EINEN Welt“ gelegt.

Indien liebt es farbenfrohe Feste mit Gästen, Reden, Theaterstücken, Musik und Tanz zu feiern. So ist es auch bei den Schulen üblich, dass alle Jahre eine groß angelegte Feier zum Abschluss des Schuljahres statt findet. Im Jahr 2008 hat man nun, wie schon erwähnt, dieses Fest mit dem Besuch der Halleiner Abordnung zusammen gelegt. Bei einem solchen Fest geht es dann auch darum, die Schule zu präsentieren, besondere Leitungen der Schüler auszuzeichnen und um die Schule verdiente Persönlichkeiten, Lehrer zu ehren. Zu feiern hatte man heuer auch einen besonderen Grund, wurde doch die magische Schülerzahl von 1,000 überschritten.

Mit farbenfrohen Festtagssaris gekleidete Schülerinnen warten schon am Eingang des Schulgeländes, um jedem der Gruppe einen knallroten Farbpunkt auf die Stirn zu drücken und uns eine schwere Blumengirlande um zu hängen. Der Punkt hält allerdings nicht lange, denn, obwohl es bereits Abend ist, lässt der Schweiß den Punkt alsbald zerrinnen und erinnert nur am nun rot eingefärbten Taschentuch an seine einstige Existenz. Zusätzlich bekommen wir noch eine große, bunte Scheibe mit Bändern auf die Brust geheftet, die uns neben der Dorfgeistlichkeit und den örtlichen Politikern als besondere Gäste ausweist. Während die Gruppe zu den Sitzplätzen in der 1. Reihe geführt wird, darf ich neben den anderen Ehrengästen auf der Bühne Platz nehmen und bekomme auch noch, so wie die anderen Gäste auf der Bühne als Zeichen der Ehrerbietung ein Tuch umgehängt, das ich dann, so wie es die anderen auch tun, gleich wieder zurück gebe, damit er beim nächsten Fest wieder verwendet werden kann. Davon abgesehen hält man bei 30°C ein Tuch um die Schultern nicht lange aus. „Girlanding“ nennt man diese Zeremonie. Zum Beginn einer solchen Feier gehört es aber auch, dass die Lehrer und Ehrengäste Öllichter auf einem großen Lichterhalter anzünden, das sogenannte „lightening“ vornehmen.

Der erste Teil der Feier ist ziemlich langatmig, denn es gibt zahlreiche Redner, und Diplome und Sachgeschenke werden an die Schüler übergeben. Es ist für mich interessant zu sehen, welche Sachgeschenke überreicht werden. Es sind Schüsseln, Wasserbehälter, Kochtöpfe und ähnliches aus Blech! Nach dem Absingen der Landeshymne, die Schule, auch wenn sie von Katholiken geführt wird, bekennt sich natürlich voll zu Indien und will kein exotischer Fremdkörper in diesem hinduistischen Land sein, ist der erste Teil des festlichen Abends vorbei.

Seit Wochen haben die Lehrer mit den Kindern am nun folgenden, kulturellen Abendprogramm gearbeitet. Zum Auftakt gibt es Reigentänze der putzigen Vorschulkinder in märchenhaften Fantasiekostümen. Immer größer werden die tanzenden Kinder und immer kunstvoller die Tänze, bis dann am Ende der rhythmische, erdverbundene, südindische „Barathnatyam“ von den 16-jährigen Schülerinnen der Abschlussklasse aufgeführt wird. Eine Augen- und Ohrenweide, wenn die dunkelfarbenen Mädchen mit Blumenschmuck im Haar, leuchtenden Saris, Fußschellen um die Knöchel den ungemein schwierigen Barathnatyam tanzen, wo unter anderem die Augen den kunstvollen Bewegungen der Hände und Finger folgen sollen. Dazwischen gibt es immer wieder kleine Theaterstücke, in denen auf die Probleme, Spannungen zwischen den Etablierten Schichten, den Besitzern und den Kastenlosen, den Dalits hingewiesen wird. Ein anstrengender Abend, nicht nur für die Akteure, sondern auch für die Zuseher, denn ein solches Fest dauert 4 – 5 Stunden und man freut sich am Ende des Abends schon sehr auf das erfrischende Bier im nahe liegenden „Divine Word Centre“, wo wir untergebracht sind.

Zur Erläuterung – das „Divine Word Centre“ wurde seinerzeit von Pt. Ritz gebaut, der ja jahrelang die Kontaktperson des Arbeitskreises zu Indien war und dient als Schulungshaus, Meditationszentrum usw. Warmes Wasser gibt es hier keines. Braucht man auch nicht, denn das kalte Wasser ist bei den herrschenden Tropentemperaturen ohnehin mehr gefragt. Die Auflagen auf den Holzbrettern der Betten sind hier ziemlich dünn, die Leintücher zum Zudecken braucht man auch nicht. Was wesentlich ist, die Moskitonetze sind dicht.

Neben zahlreichen Eltern sind auch hunderte von Schülern bei diesem Ereignis dabei und sitzen unwahrscheinlich diszipliniert am Boden vor der Bühne, bestaunen uns und bringen in Erinnerung, dass die Schüler zum überwiegenden Teil „Dalis“ also Kastenlose sind, die ohne diese Schule kaum die Möglichkeit des Besuches einer Schule hätten. Es sei auch in Erinnerung gerufen, dass diese Schule zwar von einem katholischen Laienorden geführt wird, die Schule aber zu 99% von Hinduisten besucht wird.

Die Schule, in der man Anfangs in Strohhütten unterrichtet hat ist weiter am Ausbau. Seit meinem letzten Besuch 2004 wurden die sanitären Anlagen der Schülerzahl angepasst und überholt und mit dem Bau eines eigenen Gebäudes für die Volksschule begonnen (3 Klassenräume sind schon fertig und werden benützt.) , weil die Regierung eine bauliche Trennung der Volksschule von der „High-School“ verlangte. Der Ausbau dieses Gebäudes ist die nächste größere Aufgabe in Vadipatty, bei der wir von Hallein aus auch versuchen wollen, ein wenig bei zu steuern. Es würde uns freuen, wenn wir dazu die Unterstützung des Einen oder Anderen aus Hallein bekommen könnten. Falls Sie glauben, auch einen Beitrag zum Ausbau der Schule geben zu können, nachstehend unsere Konten bei der Raiffeisenbank und der Sparkasse in Hallein .Ganz besonders schön wäre ein Dauerauftrag und wenn es nur 5 € im Monat sind, denn dann wissen wir, mit welchen Mitteln wir rechnen können.

Spendenkonten
  • Raiffeisenbank Hallein, Filiale Adnet
         Konto Nr. 1013283, Bankleitzahl 35122
  • Sparkasse Hallein
         Konto Nr. 6009008285, Bankleitzahl 20404

    Voll Freude und Genugtuung schläft man an diesem Abend ein. Freude über das Gesehene und die Herzlichkeit die man uns entgegenbrachte, voll Genugtuung, dass man erleben durfte, dass die Arbeit der Mitarbeiter im Arbeitskreis „Wir in der EINEN Welt“ der Pfarre Hallein, reiche Früchte getragen hat.





    Autor / Quelle: DI Roman Anlanger (Text und Fotos)

    Beitrag online bis 5.5.2019 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
    P 5 (5.5.08 - 31.05.08 - ) / 2153 / 585