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Pfarrer Schreilechner (links): die Politik endlich global (!) Richtlinien vorgeben, um die ungebremste Gier zu bremsen und in die Schranken zu weisen
Pfarrer Gabriel (rechts): Wir hoffen auf ein Umdenken, dass nicht nur der Profit, sondern die Menschen zählen!
Franz Borstner (links): Wir als Christen/innen sorgen uns um Solidarität, Gerechtigkeit, Menschenwürde und Verantwortung auch in Arbeitswelt und Wirtschaft
Raimund Stefan (rechts): Es ist eine Schande, wie wir hier am eigenen Leib die Auswüchse des Turbokapitalismus spüren und ausbaden müssen.
Susanne Kreuzberger-Zippenfenig: Mir ist es wichtig, mich einzusetzen für Gerechtigkeit und Solidarität
Leopold Stelzer: Solidarisch sein, den Betriebsrat unterstützen und die Hoffnung nicht aufgeben!
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17. Dezember 2008 - Fackelzug zur Rettung der Papierfabrik
Derzeit richten sich die intensivsten Hoffnungen und Wünsche in Hallein auf die Rettung der Papierfabrik: Für die ganze Stadt, für die ganze Region hängt so gewaltig viel davon ab. Heute findet ein „Solidaritätsmarsch für Zusammenhalt und Zukunft“ statt. Einige Personen aus den Pfarren nehmen Stellung: Warum nehmen Sie daran teil?
Mag. Raimund Stefan, Berufsschuldirektor i. P., Mitglied im Pfarrgemeinderat der kath. Stadtpfarre Hallein: „Ich nehme ganz bestimmt teil und begrüße, dass es die Möglichkeit gibt, hier öffentlich aufzutreten. Der Standpunkt der katholischen Soziallehre lautet: Solidarität, und dass der Mensch vor dem Profit kommt. Es ist eine Schande, wie wir hier am eigenen Leib die Auswüchse des Turbokapitalismus spüren und ausbaden müssen. Es ist schade, dass es offenbar immer weniger Unternehmer gibt, die Verantwortung für ihre Arbeiter wahrnehmen und die nicht Ausbeutung und Gewinn als Priorität sehen.“
Dr. Peter Gabriel, Pfarrer der evangelischen Pfarre: „Wir haben es in der Kirche angekündigt und alle zur Teilnahme aufgerufen. Auch ich werde selbstverständlich daran teilnehmen. Wir hoffen auf ein Umdenken, dass nicht nur der Profit, sondern die Menschen zählen!“
Stelzer Leopold, Schichtarbeiter in der Papierfabrik i. P., ehrenamtlicher Mitarbeiter in der kath. Pfarre: „Man kann hier ein gewaltiges Zeichen setzen, dass man nicht ja und amen sagt zu dem, wie es in der Wirtschaft zugeht: Die Großen fressen die Kleinen, jeder versucht herauszuholen, was nur irgendwie und irgendwo möglich ist. Hier braucht es Solidarität, hier muss man Zeichen setzen, hier muss man etwas tun! Solidarisch sein, den Betriebsrat unterstützen und die Hoffnung nicht aufgeben!“
Franz Borstner, Arbeitslosenfonds der Erzdiözese Sbg. „Wirtschaft muss dem Leben dienen und nicht dem Gewinn! Globalisierung, Deregulierung, Privatisierung, Standortvorteil, Gewinnmaximierung, Börsenorientierung, Staatsverschuldung, Effizienz-Steigerung, Flexibilität und Eigenvorsorge. Soweit die „Zehn Gebote“ der aktuellen Ökonomisierung in allen Lebensbereichen! Wir als Christen/innen sorgen uns um Solidarität, Gerechtigkeit, Menschenwürde und Verantwortung auch in Arbeitswelt und Wirtschaft. Die lebensnotwendigen Bedürfnisse aller gilt es zu decken – dies ist der soziale Sinn einer Ökonomie. Darum zeigen wir unsere Solidarität mit den Menschen in der Papierfabrik am 17.12.2008.“

Wirtschaft muss dem Leben dienen und nicht dem Gewinn!
Johann Schreilechner, kath. Stadtpfarrer von Hallein: „Ohne fundierte ökonomische Kenntnisse soll man nicht gute Ratschläge geben. Mit Gemeinsätzen ist niemandem gedient. Für mich persönlich ist die scheibchenweise Demontage unserer Papierfabrik ein Anlass, mich erneut mit den Grundprinzipien der katholischen Soziallehre auseinanderzusetzen. Bürger und Wähler kann man nicht wie Arbeitnehmer entlassen, daher muss die Politik endlich global (!) Richtlinien vorgeben, um die ungebremste Gier zu bremsen und in die Schranken zu weisen!“
Franz Speckbacher, Lagerarbeiter i. P., Mitarbeit in kath. Pfarre und Kolpingwerk: „Als Gewerkschafter und Betriebsrat ist es mir immer ein Anliegen, mich für die Arbeitnehmer einzusetzen. Das wichtigste Ziel ist: Den Betrieb erhalten. So viele Arbeitsplätze sind in Gefahr, nicht nur im Betrieb, sondern in der ganzen Region. Die Arbeitsplätze erhalten hat Vorrang vor jeder Gewinnsucht!
Susanne Kreuzberger-Zippenfenig, pädagogische Mitarbeiterin der ev. Pfarre: „Mir ist es wichtig, mich einzusetzen für Gerechtigkeit und Solidarität, ein Zeichen zu setzen, dass wir alle die Arbeiter der Papierfabrik unterstützen.“
Robert Golderer, Pastoralassistent im Pfarrzentrum Neualm: „Viele von den umliegenden Pfarrgemeinden werden am Solidaritätsmarsch teilnehmen, wir wollen da sein, wenn Menschen in Sorge sind, wir sollen dort sein, wenn Menschen Unrecht erfahren, außerdem betriffts uns alle in der Region in irgendeiner Form. Andere können sich bei „Seitenblicke“ präsentieren, unser Platz soll bei denen sein, die uns brauchen. Es ist wichtig für die Betroffenen zu sehen, dass sie nicht allein gelassen werden und es ist richtig, aktiv zu sein, nicht alles als gegeben hinzunehmen und gegen Ungerechtigkeiten aufzutreten.“
Wilfried Kaaser, früher Religionslehrer und Pastoralassistent in Hallein: Viele sagen, wir gehen nicht mit, es bringt ja nichts, die da in Finnland und sonst wo machen eh, was sie wollen, die kümmern sich nicht um uns. Aber man muss es tun! Wie soll man damit leben, nicht auch seinen Beitrag für Hallein geleistet zu haben, auch dann, wenn die Zukunft nicht rosig ausschaut? Gerade dann! Und weiters aus Respekt vor dem Betriebsrat, der die Situation wirklich kennt und eine wirklich gute Arbeit für die Belegschaft leistet, vernünftige und ausgewogene Strategien verfolgt und dem man so sehr Erfolg wünschen würde. Noch eine Ergänzung, weil mancher gesagt hat, fast würde man sich den Kommunismus wünschen. Vom großen Satiriker Karl Kraus ist mir dieser Satz unvergesslich: „Der Kommunismus - der Teufel hole seine Praxis, aber Gott erhalte ihn uns als stete Drohung über den Häuptern derer, die da Guts- und Blutsbesitzer sind, und die vor lauter Frechheit nicht mehr aus noch ein wissen…“ Er hat es geschrieben nach der Ermordung von Rosa Luxemburg.
Autor / Quelle: Team des Adventkalenders der Halleiner Pfarrgemeinden
Beitrag online bis 31.12.2008 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (16.12.08 - 21.12.08 - ) / 2351 / 614
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