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Das Geläute der Halleiner Stadtpfarrkirche
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Süßer die Glocken nie klingen als zu der Weihnachtszeit ...
Weihnachtsgruß von Pfarrer Johann Schreilechner
Liebe Halleinerinnen und Halleiner!
„Süßer die Glocken nie klingen als zu der Weihnachtszeit ...“ Weihnachten und Glocken gehören zusammen. Es ist nicht nur die Erinnerung an längst vergangene Hl. Abende, es ist die besondere Weihnacht 1968 (150 Jahre „Stille Nacht“ und erstes Ertönen des neuen Geläutes der Stadtpfarrkirche), die uns innehalten lässt, um über die Bedeutung der Kirchenglocken nachzusinnen.
Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango“, lautet der alte Glockenspruch, den Friedrich Schiller an den Anfang seines Liedes von der Glocke gesetzt hat: „Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, die Gewitter zerschlage ich.“
Vivos voco. Die Lebenden rufe ich. Für Menschen ohne Uhren war der viertelstündige Glockenschlag eine wichtige Orientierungshilfe, doch das ist längst vorbei. Wichtiger als Uhr für die armen Leute zu sein, war immer der Ruf der Glocke zu Gebet und Gottesdienst. Seit dem 7. Jahrhundert rufen sie morgens und abends zum Gebet. Später kam noch das Läuten zu Mittag dazu. Den Tag mit Gott beginnen und ihn am Abend in Gottes Hand zurücklegen, wie leicht wird das vergessen in einer Zeit, wo Fernsehen und Rundfunk den Tagesrhythmus bestimmen. Menschen, die nicht beten, brauchen die Glocken nicht und empfinden sie oft als störend.
Die Glocken rufen insbesonders zum gemeinsamen Gottesdienst zur Feier der hl. Messe. Sie erinnern an den Auftrag Christi beim letzten Abendmahl: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ „ Wer Ohren hat zu hören, der höre. Wer Füße hat zu gehen, der gehe. Wer hungrig ist an Leib und Seele, der komme.“ (Egon Kapellari). Mortuos plango. Die Toten beklage ich. Es ist vor allem der Abend, der nicht nur an den Tod denken lässt, sondern durch das Läuten der kleinsten Glocke die Aufmerksamkeit auf jene lenkt, die vor uns und zum Teil mit uns durch diese Welt gegangen sind und deren Fehlen wir betrauern. Sie sollen nicht vergessen sein. Ein kurzes Innehalten, ein schlichtes und dankbares Gebet für sie, dazu mahnt uns die kleinste Glocke.
Fulgura frango. Gewitter vertreibe ich. Unwetter müssen heutzutage kaum noch durch die Schallwellen des Glockengeläutes zerschlagen werden. Hagelkanonen und – Flugzeuge haben diese Aufgabe übernommen. Und das ist gut so! Doch jene Ungewitter, die sich über den Köpfen der Menschheit zusammenbrauen, wer zerschlägt die? Die Kriege; die wirtschaftlichen Probleme in unserer Stadt und weltweit; den Klimawandel; den Hunger und gefährliche Seuchen! Und all die anderen Probleme! Die Glocke hat eine Stimme, die uns Menschen herausrufen kann aus aller Enge und Angst in die Weite und Freiheit Gottes.
Denen die vor 40 Jahren sich um die Beschaffung und Bezahlung der Glocken bemüht haben, sei an dieser Stelle nochmals gedankt!
Ihnen, Ihren Familien und allen anderen, die in unserer Stadt Weihnachten feiern, wünsche ich ein gesegnetes, friedvolles und vom Klang unserer Glocken begleitetes Fest der Geburt des Herrn und Gottes Segen und Frieden für 2009.
Autor / Quelle: Pfarrer Johann Schreilechner
Beitrag online bis 31.5.2009 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (18.12.08 - 31.12.08 - ) / 2360 / 592
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