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Die Glocken läuten wieder – Dank und Rückschau nach 40 Jahren
1943 wurden alle Glocken der Halleiner Stadtpfarrkirche beschlagnahmt und für Kriegszwecke eingeschmolzen.
Dann, nach einem verheerenden Stadtbrand im selben Jahr, dem eine der bedeutendsten Rokoko-Kirchen Österreichs, die Kirche des aufgelassenen Halleiner Augustinerklosters zum Opfer gefallen war, brannten auch der Dachstuhl und die Turmhaube der Stadtpfarrkirche ab. Schließlich stürzte 1945 die Brandruine des anscheinend noch stabilen, jedoch von innen her ausgeglühten romanischen Backstein-Kirchturmes ein.
In den ersten Jahren nach dem großen Weltkrieg war es natürlich unmöglich, die Turmruine zu sanieren. Es sollten 24 Jahre vergehen, bis der Turm in einer beispiellosen Kraftanstrengung aller lokalen Institutionen neu erstehen konnte, allerdings aus Kostengründen und dem Zeitgeist entsprechend, in Betonguss, wobei die einfache Turmhaube nach einem alten Vorbild gestaltet wurde. Verantwortlich für diesen gewöhnungsbedürftigen Neubau war der Halleiner Architekt Jakob Adelhart. Er versah das Obergeschoß des Turmes auf der Nord-, Ost- und Südseite mit Schallöffnungen für das geplante Geläute, das nun beschafft werden musste. Die Glocken wurden in der traditionsreichen Salzburger Gießerei Oberascher in Auftrag gegeben und schon nach wenigen Monaten, nämlich Anfang Dezember 1968, nach Hallein ausgeliefert. Das Ergebnis war wohl eines der nach wie vor qualitätvollsten und schönsten Geläute im ganzen Land Salzburg.
Am 8. Dezember 1968 konnte Erzbischof Andreas Rohracher alle sechs Glocken in feierlicher Zeremonie und im Beisein sämtlicher Trachten- Garde- und Goldhaubenvereine des Bezirkes weihen. Die Glocken tragen der Größe nach besondere Namen und Widmungen: Die größte Glocke (3109 kg) ist die Friedensglocke. Sie ist Jesus dem Heiland, dem Salvator, geweiht und wurde von der Pfarrgemeinde und von Industrie, Handel und Gewerbe gestiftet. Auf der Rückseite sind die Weihnachtskrippe und das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ eingeprägt. Die zweitgrößte Glocke ist dem hl. Bischof Rupert geweiht. Sie trägt auch das Halleiner Stadtwappen und wurde von der Stadtgemeinde Hallein finanziert. Glocke Nummer drei, geschmückt mit der Schutzmantelmadonna und den Insignien Stahlhelm und Friedenspalme, wurde vom Österreichischen Kameradschaftsbund in Hallein und im Bezirk Tennengau gestiftet und als so genannte Heimkehrerglocke geweiht. Die vierte Glocke ist dem Schutzpatron der Stadtpfarrkirche, dem hl. Antonius dem Einsiedler, geweiht und von der Sparkasse Hallein gestiftet. Sie trägt deshalb auch das Sparkassenwappen, den Bienenkorb. Die fünfte Glocke, eine Stiftung der Raiffeisenkasse Hallein, ist ihrem Schutzpatron, dem hl. Thomas Becket, geweiht. Die kleinste Glocke (364 kg) wurde schließlich gemeinsam von Bürgermeister Josef Brandauer, Altbürgermeister Mag. Alexander Gruber und Vizebürgermeister Anton Rieß gespendet.
Die Glocken blieben auch, nachdem sie in den Turm aufgezogen waren, vorerst noch stumm. Die bronzenen Klöppel wurden erst später montiert, und das erste Erklingen des gesamten Geläutes blieb dem Heiligen Abend vorbehalten. An diesem Heiligen Abend 1968 muss es wohl für die gesamte Bevölkerung unserer Stadt Hallein ein denkwürdiges Erlebnis gewesen sein, als an Stelle der krächzenden Lautsprecher vom Kirchendach nun erstmals nach 25 Jahren wieder echte Glocken in vollendeter Harmonie und jubelnd die Geburt Christi und den Weihnachtsfrieden verkündeten.
Autor / Quelle: Kurt W. Zeller
Beitrag online bis 30.12.2015 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (30.12.08 - 15.01.09 - ) / 2376 / 809
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