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Pfarrer Mag. Ernst Pöttler
Erstmals war die Fastenaktion im renovierten Kolpinghaus am Schöndorferplatz zu Gast
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Pfarrer mit 30 (Paten)Kindern
Gelebten Glauben mit beiden Beinen am Boden der Realität und daher auch besonders verständlich und unmittelbar zur praktischen Umsetzung geeignet, das war der Vorrag von Pfarrer Ernst Pöttler aus Salzburg-Itzling.
„So einfach wie möglich predigen, da versteht mich jeder“, so beginnt der dritte Referent der Fastenaktion 2009 sein Referat und verspricht, das Thema des Abend dementsprechend anzugehen. Das Thema hat ihn ermuntert, die Teilnahme zuzusagen. Als „Spätzünder“, der vor seinem Studium 12 Jahre Bankangestellter war und der auch aus dem Borromäum „geflogen“ ist, ist er der Überzeugung, dass sein längerer Umweg zum Priesteramt ihm nicht geschadet hat. Pfarrer oder Schneider wollte er schon als junger Bub werden; warum Schneider, kann er nicht so sicher sagen – vielleicht wegen der schönen Kleider, die Priester in seiner Kinderzeit anhatten.
„Ein Pfarrer hat den schönsten Beruf, er darf immer die frohe Botschaft verkünden“. Licht ist schön, ist Lebenselixier, ist auch Leben und Symbol für Klarheit und Hoffnung. „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen sondern das Licht des Lebens haben“, so steht es im Johannes-Evangelium. Wer dieses Licht hat, kann zum Wegweiser werden.
Er freut sich mit den Leuten, die Kinder bekommen, da dieses Glück ihm als Pfarrer nicht gegönnt ist; als „Ersatz“ hat er in der Zwischenzeit an die 30 Patenkinder bekommen, zu denen er häufig eine Art Vaterfigur ist und er eine sehr gute Verbindung hat. In seiner Pfarre Itzling reden die Leute positiv über „die Kirche“ und sie grüßen ihn auch, wenn sie ihn auf der Straße sehen. „Weil Jesus in mir ist und vor allem mit mir ist, deshalb kann ich auch Licht in dieser Welt sein und ihn leuchten lassen“. Dann werden die Menschen unsere guten Taten sehen und den Herrn im Himmel preisen. Wenn er so am Sonntag bei der Messe in die Kirche hineinschaut fragt er sich schon oft, warum die Leute so wenig erlöst schauen. Natürlich gibt es Situationen, wo man nicht erlöst schauen kann. Warum spüren und sehen die Anderen so wenig, dass wir Christen „Licht in der Welt“ sein können? Das hängt oft mit der persönlichen Vorgeschichte zusammen, mit einem Religionsunterricht, wo ein „lieber Gott“ das Gute belohnt und das Böse bestraft. Gott bestraft die Menschen nicht, das machen sie schon selber. Gott bestraft die Menschen nicht! Gott will, dass es uns gut geht. Wir alle dürfen Fehler machen. Man muss aber von innen heraus strahlen, um glaubwürdig zu sein. Wenn wir uns an der befreienden Botschaft Jesu orientieren, dann werden wir „Licht“ für diese Welt. So bringen wir Licht in das Leben der Menschen und machen sie und ihre Umwelt ein bisschen heller.
Wir müssen keine „Power-Christen“ sein, die Aufforderung Jesu, unser Licht leuchten zu lassen bedeutet nicht, dass wir große Leuchten sein müssen. Gerade unscheinbare Menschen wirken oft überzeugender als diejenigen, die viel aufzuweisen haben. „Wir sollen so leben, dass andere uns fragen: warum lebt ihr so, warum kümmert ihr euch um Not leidende und einsame Menschen?“, war einmal eine Empfehlung eines Bischofs im Jahr 1940. Wir müssen auch keine guten Werke „anhäufen“, wir sollen einfach tun, was in unseren Kräften liegt. „Lebe das Evangelium, das du verstanden hast, und sei es noch so wenig – aber: lebe es!“, eine weitere Empfehlung des Gründers der Taize-Bewegung.
Dass wir Licht in der Welt sein können verdanken wir dem, der in Jesus auf einzigartige Weise der Menschheit aufgeleuchtet ist. Jesus ist wie keiner von uns das Licht der Welt. Es geht um eine Haltung, die bereit ist, alles einzusetzen; ohne Bedenken, das Korn auszusäen und darauf zu vertrauen, dass ER es wachsen lässt. Der Glaube ist keine Privatsache, wer sich von Gott angesprochen weiß, kann das nicht für sich behalten, sondern wird dies mit anderen teilen wollen. Kirche ist in ihrem Wesen auch missionarisch, wir sollen nicht zusehen, wie die Kirche in unserem Land schrumpft, sondern auf Wachstum setzen – auch wenn es manches Mal schwer ist und sich dauern (auch als Pfarrer) für Dinge entschuldigen muss, für die man nicht zuständig ist.
Beten können wir für unsere Kinder immer. Eltern müssen immer hinter ihren Kindern stehen, sie müssen nicht alles gut heißen, was sie tun, aber trotzdem immer zu ihnen stehen. Wenn die Kinder andere Wegen gehen, können Eltern wie der „liebe Gott“ sein: Die Blicke immer beim Kind lassen, sie nicht „einfangen“, sondern gehen lassen – auch wenn es schwer fällt. Die Kinder sollen es im innersten spüren, die Eltern lassen mich nicht in Stich.
Bei engagierten Menschen in der Kirche überwiegt häufig die Klage über die Überlastung, überdeckt die Frohe Botschaft. Prioritäten müssen gesetzt werden, und einige Perspektiven sollten auch nicht aus den Augen verloren werden: Die Leute spüren lassen, Gott beschenkt uns. Wir brauchen dazu nichts erbringen. Wir sind von Gott geliebt, wir müssen dazu nicht erst Leistung bringen. Gott ist zuerst der eigentlich Handelnde. Unsere Aufgaben können wir vor allem dann erbringen, wenn wir immer wieder Gottes Gaben empfangen: Das geschieht vor allem im Hören auf Gottes Wort im Gottesdienst, beim Empfang der Sakramente, beim gemeinsamen Gottesdienst und vor allem beim Beten. Wo wird deutlich, dass Gottes Zuvorkommen Grundlage für unser Zeugnis in unserem Leben ist? Wo wird die Freude über Gottes Zuwendung in unserer Liturgie, in unserer Gemeinschaft spürbar? Da sein, hinhorchen, Menschen reden lassen und ihre Lebenssituation wahrnehmen, darin kann missionarisches Leben bestehen.
Wir müssen die Menschen um uns spüren lassen, dass wir sie – so wie Gott – ernst nehmen. Kirche wird nur dann ernst genommen, wenn die Menschen spüren, sie nimmt sie ernst in ihren verschiedensten Lebenswirklichkeiten, Erfahrungen und Überzeugungen. Nehmen wir die Lebenswirklichkeiten um uns herum wahr? Wie gehen wir mit Situationen und Meinungen um, die unserer Überzeugung widersprechen?
Wir müssen die Menschen spüren lassen, dass wir unseren Glauben leben und bezeugen. „Der Mensch heute hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte. Und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind.“ Wo sprechen wir von dem, was wir über unseren Glauben erfahren haben? Wo lernen wir, unseren Glauben zu bezeugen? Wer hinter seiner Überzeugung steht, kann anfangs belächelt werden, wenn er immer bei seiner Haltung bleibt, wird er plötzlich respektiert.
Wir müssen die Menschen spüren lassen, wie der Glaube in der Gemeinschaft gelebt wird. Beziehung zu Christus gibt es nicht ohne Beziehung zur Kirche. Was macht unser Zusammenkommen zur Begegnung? Welche Möglichkeiten zur Begegnung eröffnen wir Menschen, zu denen wir sonst wenig Kontakt haben?
Wir müssen die Menschen spüren lassen, dass wir ihnen in ihren vielfältigen Nöten beistehen. Formen der Zuwendung, der dienenden Liebe, sind Seelsorge und Diakonie. Wenn Menschen in Notlage Hilfe durch Christen Zuwendung erfahren, können Sie damit gleichzeitig der Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen begegnen, ist Kontakt auch mit Fernstehenden und Außenstehenden möglich. Wir können nicht alle Not der Welt beseitigen, wir können und müssen aber Zeichen setzen. Unter welchen Nöten leiden wir und die Menschen in unserer Umgebung besonders?
Wir können und müssen nicht alles bewirken. Tröstend dabei ist die Tatsache, dass wir niemanden mehr zu erlösen brauchen. Das hat Jesus Christus für uns schon gemacht. Ihm nachzufolgen, uns für ihn entzünden zu lassen, darum sollen wir immer wieder beten. Wir müssen uns nicht fürchten, wenn wir Jesus nachfolgen, wandeln wir nicht in der Finsternis.
Autor / Quelle: Zusammengefasst von Helmut Meisl
Beitrag online bis 31.3.2009 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (17.3.09 - 31.03.09 - ) / 2456 / 335
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