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 © Helmut Meisl

 Wir in der EINEN Welt
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Interessierte Zuhörer im Pfarrzentrum Neualm


Sr. Clara


DI Roman Anlanger und Sr. Clara

Positiv verrückt

Es gibt verrückte Menschen – verrückt im positiven Sinn, weil sie ihr Leben bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit für andere einsetzen.

Sr. Clara Erlbacher zu Besuch in Hallein

Eine solche "verrückte" Persönlichkeit ist Sr. Clara Erlbacher aus dem Orden der Hallein Schulschwestern. Sr. Clara ist derzeit in Österreich auf Heimaturlaub und besuchte uns in Hallein-Neualm am 3. Oktober 2009, wo sie nach der Abendmesse von ihrer Tätigkeit berichtete.

Sr. Clara Erlbacher ist seit Jahrzehnten in Bolivien und setzte sich in den letzten Jahren vornehmlich für die Straßenkinder in St. Cruz, der zweitgrößten Stadt Boliviens ein. In dieser Stadt erwarb Sie, wobei der Arbeitskreis „Wir in der EINEN Welt“ einen nicht unerheblichen Beitrag leistete, ein Haus, das sie als Heim für vergewaltigte Mädchen, Buben ohne Eltern, als Drogenkuriere missbrauchte Jugendliche führt. In den unteren Gesellschaftsschichten ist es für Jugendliche fast unmöglich, nicht mit der Drogenszene in Berührung zu kommen. Die Vergewaltigung von Mädchen sei an der Tagesordnung und viele Kinder leben auf der Strasse, weil die Verhältnisse im Elternhaus unzumutbar sind. Ihre Arbeit ist nicht ungefährlich, denn nicht selten verfolgt die Drogenmafia jene, die Menschen aus der Drogenszene heraus holen. Aber auch jene, die im Drogenmilieu gearbeitet haben, haben große Ängste, wenn sie aussteigen und brauchen besondere Betreuung. In den Zeitungen wird nahezu täglich vom Kindesmissbrauch, Vergewaltigungen berichtet. Mittels Schmiergelder entgehen viele Täter einer Verurteilung. Die Behörden rufen nahezu täglich bei Sr. Clara an, ob sie nicht ein weiteres Kind aufnehmen könne.

Sr. Clara betreut derzeit 18 Mädchen und 1 Buben,Unmittelbar neben dem Haus von Sr. Clara, wohnt ein Zahnarzt. Vor Jahren hatte Sr. Clara den Buben mittels eines Täuschungsmanövers aus den Händen skruppelloser Drogenleute nach Europa ausgeflogen und ihn hier eine Zeit lang versteckt. Zurückgekommen, vom Land in die Stadt gezogen finanzierte Sr. Clara sein Studium. Heute ist der Zahnarzt verheiratet, hat 2 eigene Kinder und Zwillinge adoptiert.

Viele Fragen, Probleme konnten an diesem Abend nur andiskutiert werden. Zum Beispiel das Abholzen des Regenwaldes, die Rolle der Coca-Blätter oder das sehensreiche Wirken der Jesuiten im Tiefland im 18. Jahrhundert, das die Bevölkerung dieses Landesteiles vor der Versklavung gerettet hat, wie es bei den Hochlandbewohnern geschah.

Eines steht jedoch fest, es braucht viel Mut, Kraft, Idealismus um mit den Problemen von St. Cruz umgehen zu können? Eine Verrückte? Wir wünschen Sr. Clara jedenfalls Ausdauer bei ihrer Arbeit aber auch eine entsprechende Unterstützung aus der Heimat. Soviel bekannt, wird die gebürtige Abtenauerin von der Heimat nicht ganz im Stich gelassen und nach dem Vortrag hat auch so mancher Besucher in die Tasche gegriffen.





Autor / Quelle: DI Roman Anlanger

Beitrag online bis 9.11.2010 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (8.11.09 - 31.12.09 - ) / 2623 / 646