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Pastorin Mag. Esther Handschin, Salzburg
Pfarrer Dr. Peter Gabriel führte durch den ersten Abend der Fastenaktion
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Was kann uns Paulus heute sagen?
Den Auftakt der 20. Fastenaktion der Halleiner Pfarrgemeinden machte am 23. Februar 2010 die evangelisch-methodistische Theologin Mag. Esther Handschin. Pfarrer Dr. Peter Gabriel von der evangelischen Gemeinde konnte die Referentin im voll besetzten Pfarrsaal recht herzlich willkommen heißen.
Einen breiten Bogen spannte die Referentin in Ihrem lebendigen Vortrag. Beginnend mit Informationen über die Quellen der Informationen über „Paulus“, dem Hautthema der diesjährigen Fastenaktion berichtete sie über die Herkunft und Biografie des Apostels, über das was nach wissenschaftlichen Erkenntnissen heute über ihn nach Aussagen und aus den paulinischen Briefen gesichert gilt. Die Informationen wurden ergänzt aus entsprechenden Stellen der Apostelgeschichte, sodass die Zuhörer eine gute zusammenfassende Chronologie des Lebens dieses Heiligen mit bekamen.
Einer der Schwerpunkte des Referates waren die Umstände rund um die „Lebenswende des Paulus“, über seine Bekehrung (nach den eigenen Zeugnissen des Paulus) und über seine Berufung (nach den Beschreibungen in der Apostelgeschichte). Spannender, da unmittelbar für die Anwesenden greifbarer Abschluss des Vortrages war schließlich der Konnex zum heute „üblichen“ Weg des Christwerdens, gleichgültig ob in einer evangelischen oder römisch katholischen Gemeinde.
Mit Paulus geht es den Theologen heute so wie mit vielen Personen aus dieser Zeit. Die biografischen Daten sind relativ schlecht bekannt. Größer ist das Wissen über seine Schriften und seine große Wirkungsgeschichte.
Paulus hat Jesus selber nicht gekannt. 13 Briefe in der Bibel werden Paulus von den Forschern als „echte Paulus-Briefe“ zugeordnet, die 50-60 n.Chr. entstanden sind. Wenn man sich mit Paulus und seinem Leben und seiner Bekehrung beschäftigen will, muss man sich zuerst mit diesen Briefen auseinandersetzen. Die Apostelgeschichte berichtet ebenfalls über Paulus, diese Schrift ist allerdings erst im Zeitraum 80-90 n.Chr. entstanden. Die Apostelgeschichte berichtet von der Verbreitung des Glaubens, beginnend in Jerusalem, über Palästina bis hin zur Verbreitung im ganzen römischen Reich bis nach Rom, dem damaligen Zentrum der Welt. In großen Teilen der Apostelgeschichte geht es nur mehr um die Reisen des Paulus. Die Bekehrung des Apostels Paulus wird an drei Stellen angeführt. Im 9. Kapitel, im 22. Kapitel und im 26. Kapitel, jeweils aus unterschiedlicher Sicht und für ein damals unterschiedliches Publikum (jüdisch / heidnisch). Ausserhalb der Bibel gibt es keine Belege über den Apostel Paulus.
Manches muss aus der Art und Weise, wie Paulus geschrieben hat, erschlossen werden. Eines ist klar: Paulus war ein Jude und zwar einer, der jüdisch-religiös durchaus sehr gebildet war. Geschrieben hat Paulus seine Briefe in griechisch, der damals üblichen Umgangssprache in der Welt, d.h. nicht nur für eine kleine Gruppe, sondern für die gesamte damalige Welt.
Paulus schreibt in seinen Briefen von seiner Geschichte, von seinem Leben als „Saulus“, als Verfolger des Christentums, einem Eiferer und Fanatiker, aber auch von einem Bekehrten, dem „Paulus“, der Schläge einstecken musste, unter Gefahren gereist ist, Mühe und Arbeit, Hunger und Durst erleiden musste. Seinen Lebensunterhalt hat sich Paulus selbst verdient, von der Möglichkeit als „Lehrer“ von der Gemeinde ernährt zu werden, hat er keinen Gebrauch gemacht. Seinen Lohn sah er in der Möglichkeit, vom Evangelium reden und zu seiner Verbreitung beitragen zu können. Paulus hatte das römische Bürgerrecht von Geburt an, ihm wurde auch deshalb in Rom der Prozess gemacht und deshalb wurde er auch in Rom getötet.
Über die Bekehrung des Paulus finden sich an 4 Stellen in der Bibel entsprechende Informationen, teilweise aus seiner eigenen Sicht und teilweise aus der Sicht von anderen Autoren der Bibel. Paulus stellt sich als letzter in die Reihe derer, die den Auferstandenen gesehen haben. Dies stellt er auch als Legitimation des Apostelseins den damaligen Gemeinden voraus. Paulus geht davon aus, diese Berufung schon im Mutterleib gehabt zu haben; solche Anklänge finden sich auch bei anderen Propheten im Alten Testament.
Mit der Bezeichnung „Berufung“ des Paulus wird in der Apostelgeschichte mehr das ausgedrückt, worum es ging. Diesen Ruf in einer visionären Erscheinung und die Stimme Gottes vernimmt nur Paulus auf dem Weg nach Damskus. Die mit ihm mitreisenden Jünger sehen zwar auch das „Licht“, vernehmen aber nicht die Stimme Gottes. Die Lebenswende von der Finsternis zum Licht soll nicht nur Paulus vollziehen, diese Botschaft sollen auch die Menschen in den Gemeinden, zu denen er unterwegs ist, annehmen.
Und wie sieht das bei uns aus? Wie werden wir heute zu Christen?
Üblicherweise werden bei uns Kinder als Säuglinge getauft, sie treffend ihre Entscheidung zur Taufe nicht selbst. Ihre Eltern beantworten die Fragestellungen zum Glauben stellvertretend. Später dann bei der Firmung oder Konfirmationen wird diese Frage erst von den Getauften selbst beantwortet. In der Zeit dazwischen sollte idealerweise entsprechende Glaubensbildung liegen. Eigentlich sollte die Reihenfolge ungekehrt sein, so wie dies in der Zeit des Paulus auch war. Zuerst gab es Einführungen in den Glauben, dann kam die Bekenntnis und erst dann wurde als Höhepunkt dieser Entwicklung die Taufe gespendet. Die heutige Entwicklung weg von der Volkskirche führt immer wieder dazu, dass die ursprüngliche (urchristliche) Reihenfolge wieder zu tragen kommt, nämlich dann, wenn die Kinder im Elternhaus keine religiöses Leben mehr mitbekommen und auch nicht nach der Geburt getauft wurden.
Wo sind Familien heute noch ein Ort, wo Glaube gelebt werden kann? Wo kann ein gemeinsames Tischgebet noch funktionieren, wenn jeder zu einer anderen Zeit nach Hause kommen?
Die Fragen vorhin und viele andere mehr waren nach dem Vortrag dann Inhalt einer überaus lebendigen Diskussion, die nach dem offiziellen Ende bei einer kleinen Stärkung zwanglos aber nicht minder lebendig in kleinen Gruppen fortgesetzt wurde.
Autor / Quelle: Zusammengefasst von Helmut Meisl
Beitrag online bis 9.3.2010 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (22.2.10 - 09.03.10 - ) / 2715 / 571
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