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 © Helmut Meisl

 Fastenaktion
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Pfarrer Hans-Georg Bredull




Hausherr Golderer vom Pfarrzentrum Neualm begrüßt die Gäste

Die "Rechtfertigungslehre" und Paulus

Einen wichtigen Punkt sprach Pfarrer Hans-Georg Bredull beim 2. Vortrag der Fastenaktion an, betrifft er doch einen Punkt, bei dem sich die Auslegung der evangelischen mit jener der rk. Kirche nicht decken.

Um die „Rechtfertigungslehre“ ging es beim zweiten Abend der Fastenaktion 2010 im Neualmer Pfarrzentrum. Der evangelische Pfarrer Hans-Georg Bredull aus dem benachbarten Bad Reichenhall versuchte den interessierten Zuhörern im gut besuchten Pfarrzentrum dieses für sehr viele unbekannte Thema näher zu bringen. „Gerecht allein aus Glauben“, so die entsprechende Stelle im Paulusbrief, was sagt uns das noch heute?

„Es fällt ihn schwer sich einfach und verständlich auszudrücken, wo der Gegenstand seines Nachdenkens doch nicht ganz einfach ist“, so der Referent gleich zu Beginn. Im Jahr 2009 wurde das 10-jährige Jubiläum eines gemeinsamen Grundlagen-Dokumentes des lutherischen Weltbundes und der römisch-katholischen Kirche, das 1999 in Augsburg verabschiedet wurde, gefeiert. Wobei die Feier nicht ganz gerechtfertig war, da das Dokument von der römisch-katholischen Kirche abgelehnt wurde und auf Seiten der evangelischen Kirche keine Zustimmung bei den Synoden erhielt. Gefeiert wurde trotzdem, allerdings nur eine Art Fußnote (eine gemeinsame Erklärung) zu diesem Dokument, das nie in Kraft gesetzt wurde. Viel Lärm um nichts, Theaterdonner, nicht mehr.

Warum sich die römisch-katholische Kirche so schwer mit jener Lehre Luthers tut, die für die evangelische Kirche eine zentrale Aussage ihres Glaubensverständnisses darstellt, erklärte Bredull in seinen weiteren Ausführungen recht umfassend. Die denkerischenVoraussetzungen des mittelalterlichen Streites muss man sich vergegenwärtigen um zu verstehen, warum die römisch-katholisch Kirche sich damit so schwer tut. Es ist nicht damit getan, wie der damalige Kardinal Ratzinger meinte: „Lutheraner und Katholiken sollten sich gemeinsam darum bemühen eine Sprache zu finden, die imstande ist, die Rechtfertigungslehre auch den Menschen unserer Zeit verständlich zu machen“; eine Forderung, die bis heute der Einlösung bedarf.

Die Frage nach der Rechtfertigung wird von Lutheranern und Katholiken gegensätzlich beantwortet. „Ob das Geschöpf Mensch seinen Wert in dem hat, was es selbst ist und tut (die römisch-katholisch Position) oder darin, dass Gott das Geschöpf Mensch für wertvoll hält (lutheranische Position), diese verschiedenen Auffassungen kann man nicht nivellieren, indem man an ein paar Schrauben dreht“, so ein Kommentar anlässlich des „Jubiläums“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Der Wert unseres Lebens ist nicht durch unser Dasein begründbar und schon gar nicht durch unsere Tätigkeit, sondern ist mit dem für uns Dasein Gottes in Christus verbunden, so die evangelische Position der Rechfertigung auf den Punkt gebracht. Anhand einiger der insgesamt 47 Thesen des Martin Luther versucht Bredull schliesslich diese Position zu begründen. In der entsprechenden Stelle des 3. Paulusbriefes heißt es zu dieser kontovers ausgelegten Stelle: „... Jetzt aber ist unabhängig vom Gesetz die Gerechtigkeit Gottes offenbart worden, bezeugt vom Gesetz und von den Propheten: die Gerechtigkeit Gottes aus dem Glauben an Jesus Christus, offenbart für alle, die glauben. Denn es gibt keinen Unterschied: Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren. Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus.

Wodurch geschieht Rechtfertigung nach Luther demnach? Nur durch Glauben. Glaube wird als Werk Gottes an uns gesehen. Hier besteht eine wesentliche Differenz zwischen den beiden Kirchen, da bei der römisch-katholisch Kirche die Rechtfertigung des Menschen vor allem von seinem Sein und seinen Werken abgeleitet wird. Eine Differenz, die heute unüberbrückbarer ist denn je zuvor.

Die Christen haben bereits die Einheit mit Gott durch das Opfer seines Sohnes Christus. Sie brauchen sich um diese nicht mehr zu mühen, sie besteht bereits. Gott gegenüber brauchen wir Menschen nichts „zu tun“, wir brauchen uns seine Gnade durch unser Tun nicht „verdienen“. Das entscheidende im Leben haben wir schon empfangen, geschenkt bekommen. Luthers Rede von der Freiheit des Gewissens meint nicht die Gewissensfreiheit, wie wir sie meinen, sondern meint Freiheit vom Gewissen als anklagende Instanz des eigenen Ich. Allein das Evangelium der Gnade und Vergebung bringt den Menschen Frieden mit Gott.

So komplex und für Laien oft schwer verständlich die Ausführungen des Vortrages selbst waren, so lebendig und spritzig war die dem Vortrag folgende Diskussion, die auch noch nach dem offiziellen Teil des Abends bei einer kleinen Stärkung in kleinen Gruppen fortgesetzt wurde.





Autor / Quelle: Zusammengefasst von Helmut Meisl

Beitrag online bis 16.3.2010 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (2.3.10 - 16.03.10 - ) / 2723 / 409