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 © Helmut Meisl

 Fastenaktion
Diese Seite als Druckausgabe


Gabriele Guttman / Dr. Clemens Molnar


David Bader - Gitarre


Nimm den Eimer

NIMM DEN EIMER TRAGE DICH HIN
WISSE DU TRÄGST DICH
ZU DÜRSTENDEN
WISSE DU BIST NICHT DAS WASSER
DU TRÄGST NUR DEN EIMER TRÄNKE SIE DENNOCH
DANN TRAGE DEN EIMER VOLL MIT DIR ZU DIR ZURÜCK
DER GANG HIN UND HER
DAUERT EIN JAHRZEHNT

(Du kannst es fünf- oder sechsmal tun vom zwanzigsten Lebensjahr an gerechnet)

Hilde Domin

Nimm den Eimer ...

In der evangelischen Kirche bildete eine Veranstaltung des Halleiner Kulturforums den Abschluss der 20. Fastenaktion der Halleiner Pfarrgemeinden.

Den besinnlichen und stillen Abschluss der Fastenaktion bildete am Dienstag in der Karwoche ein Abend mit Texten und Musik zur Karwoche.

Dr. Clemens Molnar las Texte des katholischen Theologen Karl Rahner, Gabriele Guttmann jeweils dazu passende Texte von Autoren wie Hilde Domin, Bert Brecht, Christine Busta und Christa Mollay. Wunderbar passend zu den sorgsam ausgewählten Texten und sehr einfühlsam die musikalische Umrahmung durch den Gitarristen David Bader.

Im Gegensatz zu den 5 Vortragsabenden war die Schlussveranstaltung der Fastenaktion etwas schwächer besucht, die, die gekommen waren, hatten ihr Kommen aber nicht bereut und ermöglichten sich einen schönen und besinnlichen Einstieg in die Höhepunkte im christlichen Kirchenjahr, den Kartagen und dem kommenden Osterfest.





Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
Hat die furchtbare Nachricht
Nur noch nicht empfangen.
Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
Der dort ruhig über die Straße geht
Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde
Die in Not sind?
Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich sattzuessen.
Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren.)
Man sagt mir: iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
Ich dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
Und doch esse und trinke ich.
Ich wäre gerne auch weise.
In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen
Auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten
Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen
Gilt für weise.
Alles das kann ich nicht:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!

Bert Brecht


Autor / Quelle: Helmut Meisl

Beitrag online bis 30.4.2010 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (30.3.10 - 16.04.10 - ) / 2751 / 714