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Was wäre wenn?
Gedanken zum Hl. Josef von Robert Golderer
Im Pfarrzentrum Neualm wurde der Saal vor kurzem renoviert, neu ausgemalt und „geliftet“. Viele ehrenamtliche Arbeitsstunden wurden von Frauen und Männern geleistet, die alten Verzierungsleisten wurden weggegeben und der Saal erscheint klarer, nüchterner und heller.
Vielleicht würde das uns in unserer Kirche auch manchmal gut tun, manches Alteingefahrene zu überdenken, um das Wesentliche wieder aufscheinen zu lassen. Wäre es nicht gut, so manchen Heiligenschein etwas zu ramponieren, das überflüssige Gold wegzukratzen, damit mehr Klarheit entsteht und das Göttliche wieder mehr Strahlkraft erhält? Gerade in unserer Zeit würde es uns und der Kirche gut tun, nicht zu moralisieren und das nie zu erreichende Ideal voranzustellen, sondern die Realität anzuschauen, den Menschen Mensch sein lassen und Gott in dieser Realität Wirklichkeit werden zu lassen. Die befreiende Botschaft Jesu liegt eben darin, dass Gott Mensch wurde unter Menschen und nicht unter Heiligen!
So gesehen könnten wir auch einen anderen Blick auf Josef wagen. Josef – ein Heiliger für einen vergessenen Winkel im Kirchenraum? Sicher nicht! Die Bilder, auf denen Josef meist als gütig dreinschauender Greis mit grauem Bart dargestellt wird, haben mit dem Vater Jesu sicherlich wenig zu tun. Man kann diese mit ruhigem Gewissen durch das Bild eines jungen, kraftvollen und leidenschaftlichen Mannes ersetzen und zurechtrücken, der in Liebe zu seiner Frau stand und in seiner Vaterrolle viele Hindernisse und Schwierigkeiten meistern musste. Auch wenn die Quellen wenig ergiebig sind, können wir doch von diesem „Mann im Hintergrund“ einiges sagen und lernen, wie es auch Jesus tat.
Der Hl. Josef verdiente den Lebensunterhalt für seine Familie als Bauhandwerker und es ist anzunehmen, dass Jesus den Beruf seines Vaters erlernte und mit ihm auch gemeinsam arbeitete. In der Bibel wird Josef als der „Gerechte“ (Mt 1 19) bezeichnet, der seine Weisungen im Traum empfing (Mt 1 20). Als zutiefst religiöser Mensch hat er nicht nur auf seinen Verstand vertraut, sondern auch auf sein Inneres geachtet und sein Leben auf Gott hin ausgerichtet. Zweifellos hat Josef seinen Glauben auch an seine Kinder weitergegeben, und Jesus hat bestimmt viel von seinem Vater übernommen. Das Vaterbild Jesu ist sicherlich auch durch das geprägt, was er in seiner Familie erlernte und erlebte, es findet seinen Ausdruck im „Vater unser“. Würde es an Jesu Gottes Sohnschaft etwas ändern, wäre er der Sohn Josefs und Marias? Nein, im Gegenteil. Jesus Christus ist wahrhaft Mensch geworden und hat uns gelehrt und gezeigt, dass Gott unser aller Vater ist. Und Josef müsste nicht mehr als „heiliger“ Ehemann herhalten, der seiner Sexualität beraubt nur als „Ziehvater“ in Erscheinung tritt.
Das Wesentliche jedoch ist, mit Blick auf Josef, in allen Lebenslagen auf Gott zu vertrauen und füreinander da zu sein, was auch kommen mag.
Autor / Quelle: Robert Golderer
Beitrag online bis 30.9.2010 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (3.5.10 - 31.05.10 - ) / 2773 / 357
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