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 © Helmut Meisl

 Evangelische Gemeinde
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Aus der Sicht des Fachinspektors

Religionsunterricht als Dienst an der Gesellschaft

In der Diskussion war der Religionsunterricht in den letzten 50 Jahren immer wieder: Er ist eines der klassischen Überschneidungsfelder von Kirche und Staat, und diese wurden und werden unter dem Vorzeichen der Forderung nach Trennung von Kirche und Staat natürlich von einigen politischen Kräften sehr kritisch gesehen. Ist der konfessionelle Religionsunterricht – besonders an Pflichtschulen – ein „Privileg der Kirchen, um Kinder zu indoktrinieren“?

Wir wissen heute, dass Religion ein anthropologisches Merkmal ist, das heißt, jeder Mensch ist explizit oder implizit – religiös. Und: Religion ist eng verwoben mit Emotion und damit auch anfällig dafür, missbraucht zu werden. Mit Hilfe von Religion kann man Menschen manipulieren und sie
zu extremistischen Positionen und Handlungen verführen. Religion kann Herrschaftsverhältnisse stabilisieren und an der Unterdrückung von Menschen beteiligt sein.

Andererseits kann Religion Menschen motivieren, sich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen, kann Religion Menschen ungeahnte Kräfte verleihen und ihnen ermöglichen, über sich selbst hinaus zu wachsen mit ihrer Hoffnung auf eine gerechtere und
friedlichere Welt.

Wie ist die eine von der anderen Seite von Religion zu unterscheiden? Wie ist es möglich, Menschen mit verschiedenen religiösen Hintergründen und Überzeugungen zu einem friedlichen Miteinander zu
motivieren? Die Antwort lautet: Durch Bildung!

Deshalb gewinnt gerade in den letzten Jahren, in denen die Multikulturalität auch der österreichischen Gesellschaft immer deutlicher sichtbar wird, die religiöse Bildung als Teil der Allgemeinbildung eine immer größere Wichtigkeit.

Daher ist Religionsunterricht als Teil der Allgemeinbildung ein fester Bestandteil der österreichischen Schule und als solcher ein Dienst an der Gesellschaft.

Religiöse Bildung wird im Idealfall in Auseinandersetzung mit gelebter Religion vermittelt: Sie nimmt ihren Ausgangspunkt von der eigenen religiösen Erfahrung der Kinder und Jugendlichen in ihren Lebenswelten, begegnet der religiösen Erfahrung der Lehrkraft und der Mitschüler/innen in deren Lebenswelten, setzt sich mit der religiösen Überlieferung auseinander und führt so zu einem Zuwachs an Kompetenz, der wieder in die eigenen Lebenswelten zurückverweist. Deshalb wird in Österreich
der konfessionelle Religionsunterricht nach wie vor als die beste Möglichkeit angesehen: Also der Religionsunterricht, der getrennt nach Konfessionen gehalten wird von einer Lehrkraft, die ebenfalls
konfessionell gebunden ist, ein Unterricht, der aber selbstverständlich offen ist für ökumenische und interreligiöse Zusammenarbeit und Begegnungen.

Allerdings ist die Realität auch in Österreich – regional sehr unterschiedlich -, dass die Zahl von Schüler/innen, die keiner gesetzlich anerkannten Kirche oder Religionsgesellschaft angehören oder den Religionsunterricht nicht besuchen, wächst. Daher begrüßt die Evangelische Kirche die Einführung des Ethikunterrichts für Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen. Eine Ausweitung dieses Schulversuchs, der derzeit nur im Bereich der Sekundarstufe II angeboten wird, auch auf den Pflichtschulbereich, wäre durchaus überlegenswert.

Fachinspektor Peter Pröglhöf





Autor / Quelle: FI Peter Pröglhöf

Beitrag online bis 30.11.2010 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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