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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
Diese Seite als Druckausgabe


Vom ersten bis zum letzten Zug

Bei einem Schachspiel hat man das Ganze im Blick – nicht nur den Läufer, sondern die Gefahr angesichts der gegnerischen Dame. Man muss seine Möglichkeiten kennen, sich einen Vorsprung erarbeiten, über den jetzigen Stand hinausdenken – und vor allem: Gegenzüge einberechnen. Zufall ist eine Größe, mit der man nicht arbeiten darf. Man muss Kompromisse machen und Opfer bringen – aber auch diese gut kalkulieren. Das Schachspiel veranschaulicht, wie Jesus uns beauftragt, unsere Nachfolge zu planen. Sie verlangt zumindest in Teilen eine Strategie.




5. September 2010
23. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
1. Lesung: Weisheit 9,13-19
2. Lesung: Philemon 9b-10.12-17
Evangelium: Lukas 14,25-33

5. September 2010 - 23. Sonntag im Jahreskreis

Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.

Ausgelegt!
Bibelwort: Lukas 14,25-33

Jesus kann sehr zärtlich sprechen. Aber auch sehr schroff. An diesem Sonntag ist er eher schroff und sagt: Wenn jemand nicht sein ganzes Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Kein Wunder, möchte man da antworten, dass nur ein paar wenige mit ihm gegangen sind. Wer will denn seine Familie, seinen Besitz und alles ihm lieb gewordene einfach so zurücklassen? Wer will sich denn aufgeben, nur um mit Jesus zu ziehen?

Ja, genau das ist die ernste Frage. Die meisten Menschen möchten ihr Leben und Jesus noch dazu. Davor warnt Jesus. Ich will nicht am Rand deines Lebens stehen, sagt er sinngemäß. An mich glauben, sagt Jesus, heißt: mich zur Mitte des Lebens machen. Am Morgen, am Mittag, am Abend; beim Arbeiten, beim Lieben, beim zu Bett gehen. Einfach immer. Glaube heißt, das ganze Leben von ihm bestimmen zu lassen. Man gehe getrost seinen Geschäften nach, aber man bitte dabei immer: Dein Wille geschehe. Wer kann das? Das ist nicht die Frage. Jesus interessiert kein Können. Jesus interessiert die Absicht, das Bemühen, mein guter Wille. Damit könnte man doch anfangen, oder? Und Erfolge dann getrost dem Heiland überlassen.





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag / Michael Becker

Beitrag online bis 2.10.2010 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (2.9.10 - 09.09.10 - ) / 2840 / 214