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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
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Unschätzbar
Das Wort wurde nicht Gold, dass es kalt geglänzt hätte.
Das Wort wurde nicht Edelstein, dass es kostbar, aber leblos gewesen wäre.
Das Wort wurde Fleisch, wurde Kind, das Wort schrie und freute sich, weinte und packte zu.


Im Anfang war das Wort“, beginnt das Johannes-Evangelium und der Informatiker fügt scherzhaft hinzu: „… aber es war noch nicht auf eine bestimmte Anzahl von Bits beschränkt.“
(Herbert Klaeren, Institut für Informatik, Universität Tübingen)



5. Jänner 2003
2. Sonntag nach Weihnachten


Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

Bei Tageslicht besehen, zeigen sich die Ereignisse der Heiligen Nacht weniger romantisch. Johannes beschreibt das Geschehen der Weihnacht nüchtern, nicht einmal Maria und Josef erscheinen noch wichtig. Denn „am Anfang war das Wort. – Und das Wort ist Fleisch geworden.“ Ein schwieriges Wort legt uns der Evangelist in die Krippe. Ein Wort ohne C-Dur, denn Gottes Wort braucht keine Begleitmusik. Wir haben uns an Weihnachten an andere Bilder und gefälligere Töne gewöhnt. Aber auch daran, dass die Menschen der Weihnacht im Jahresdurchschnitt zu Randfiguren werden.
Deshalb verkündet uns Johannes Gott im Wort. Es steht am Anfang. Am Anfang werden oft viele Worte gemacht, die wir später nicht halten können: Zusagen, Versprechungen, Hoffnungen, Ehrenworte. An ihrem Ende steht oft das Schweigen.
Anders bei Gott. Bei Gott war das Wort. Er ist das Wort. Es schafft die Wirklichkeit. Uns. Gottes Wort ist uns nicht mehr sehr geläufig. Selbst an Weihnachten nicht. Uns fehlen die Worte, wenn man uns nach Gott fragt. Deshalb hat Gott sich für uns ausgesprochen. Er steht zu seinem Wort, wenn Menschen nach Gott fragen.
Weihnachten ist Gottes Exposure-Programm. Er setzt sich uns aus und erfährt, was er den Menschen zumutet. Er lebt unsere Wirklichkeit. Er wird, was wir sind. Ohnmächtig wie ein Kind. In ihm spricht er sich aus. Ein Neubeginn als Weihnachtsgeschenk. Ein neues Kapitel aus der Chronik des Menschen auf dem Weg zu seinem Gott. Der ist auf dem Weg zu uns. „Für uns herabgestiegen“ in einem Wort.
Gott gibt uns sein Wort. Für unsere Antwort brauchen wir einen längeren Atem als die Liturgie einer Nacht. Aber die macht den Anfang.





Autor / Quelle: Bernd Kaut

Beitrag online bis 17.1.2003 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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