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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
Diese Seite als Druckausgabe




Für unser Wort „Krise“ haben die Chinesen einen interessanten Ausdruck, Wei ji, zwei Worte: „Gefahr“ und „Gelegenheit“, also Gelegenheit zur Umkehr.
(Otmar Wassermann)


Fischerkunst
Einige Sorgfalt wenden sie auf jeden kleinen Knoten, auf eine saubere Vernetzung auf. Sie lassen sich darauf ein, dass Wind und Strömung ihren Fang mitbestimmen. Darum sind es wohl Fischer, die Jesus beruft: weil sie beide Seiten ernst nehmen, das, was sie leisten können, und das, was nicht von ihnen abhängt.

26. Jänner 2003
3. Sonntag im Jahreskreis


Sofort rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.

Wen man denn heute noch mit der Bibel hinterm Ofen hervorlocken könne, wurde ich neulich gefragt. Wer als Menschenfischer erfolgreich sein wolle, müsse doch ganz andere Netze einsetzen.
Mit einer Begebenheit in der Grundschule habe ich dagegen gehalten: In einer dritten Klasse meldete sich auf die Frage, wer denn wisse, was die Bibel sei, etwa ein Drittel der Kinder. Am Ende der Stunde bat ich die Schüler, auf „Bibelsuche“ in ihren Familien zu gehen. Nicht einmal die Hälfte wurde fündig. Nein, daheim sprach man nicht von der Bibel und gelesen wurde sie auch nicht. So lautet die einstimmige Aussage.
Jeder Schüler erhielt eine Bibel und durfte erst einmal blättern. Bald rief ein Mädchen überrascht: „Hier ist ja die Jesusgeschichte drin, die wir im Kindergottesdienst gespielt haben.“ Es folgte eine lebhafte Diskussion darüber, wer nun doch welche Geschichten kannte und was es mit Jesus überhaupt auf sich habe. Ein Junge saß über irgendeinem Bibeltext und las, ohne sich stören zu lassen. Als ich ihn ansprach, schaute er auf und sagte: „Das Buch musst du mir unbedingt borgen, damit ich zu Hause weiterlesen kann, das ist ja richtig spannend.“
Menschenfischer im Auftrag Jesu Christi müssen heute sicher flexibler sein als früher, aber das tragfähigste Material für das Netz liefert weiterhin die Bibel.





Autor / Quelle: Gundula Kühneweg

Beitrag online bis 7.2.2003 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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