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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Fest
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Die älteste Ikone der Gottesmutter zeigt Maria als Körper der christlichen Kirche mit zum Gebet erhobenen Armen. Ihr Name „Madonna vom Zeichen“ nimmt Bezug auf die Jesaja-Verheißung: „Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben.“ (7,14)


Muttergottes in der Krippe der Stadtpfarrkirche



1. Jänner 2004 - Hochfest der Gottesmutter Maria

Am Neujahrstag feiern wir mit Maria das Urmodell christlichen Glaubens: Ja zu sagen, wenn Gott mich ruft und den in die Welt zu tragen, der mich selbst hält.

Das Fest der Gottesmutter Maria am 1. Jänner hieß bis zur Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1964-1967) Fest der Beschneidung des Herrn. Die Beschneidung Jesu war bis dahin auch der einzige Inhalt des Festtagsevangeliums. Seither beginnt aber die Lesung aus dem Evangelium nach Lukas schon mit dem Besuch der Hirten bei der Krippe, mit der Erwähnung ihres Berichtes von dem, was der Engel ihnen über das Kind gesagt hatte und mit der Bemerkung des Lukas: „Maria aber bewahrte all diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.“ Erst darauf folgt dann als zweiter Teil der Festtagslesung aus Lukas die Erzählung von der Beschneidung des Kindes im Tempel, bei der es am achten Tag nach seiner Geburt seinen Namen erhält. Dabei erinnert Lukas an die Verkündigung des Engels an Maria und seinen damaligen Auftrag an sie, dem Kind den Namen Jesus zu geben.

Beide kurzen Erzählungen haben ihren Höhepunkt jeweils in der Nennung Marias und ihrer entscheidenden Rolle als Mutter des göttlichen Kindes. Sie ist es, die von Anfang an um die Bestimmung ihres Kindes weiß und die dem Kind seinen Namen gibt – nämlich Jesus, das heißt, „Gott rettet“ – und die ihrem Kind damit auch seine Lebensaufgabe zuspricht. Durch dieses ihr göttliches Kind wird Gott die Menschheit retten und heilen. In der Tradition wird der Evangelist Lukas auch als der Marienmaler bezeichnet. Tatsächlich werden manche alten Marienbilder dem Pinsel des Evangelisten Lukas zugeschrieben. Das ist freilich Legende. Doch sie hat einen wahren Kern.

Lukas hat in der Weihnachtsgeschichte seines Evangeliums ein literarisches Bild von Maria gezeichnet, das viel dauerhafter ist als jedes Gemälde, er hat damit Maria in unserer Vorstellung eine unverwechselbare Gestalt verliehen. Unser Bild von Maria als der Mutter des Krippenkindes, die aufgrund der Botschaft des Engels und des Berichtes der Hirten von Anfang an alles um die Mission und das Schicksal ihres Sohnes wusste, ist von Lukas in seinem Evangelium unauslöschlich geprägt worden. Es lebt in allen gemalten Bildern und geschnitzten Krippen fort, in all unseren schönen Weoihnachtsliedern, und es wirkt weiter bis in die tausende Male wiederholten Betrachtungen des freudenreichen Rosenkranzes.

Es gibt im Neuen Testament daneben freilich auch andere Bilder von der Mutter Jesu. Das Johannesevangelium zeigt uns jene Frau als Mutter Jesu, die durch ihren unbedingten Glauben das Weinwunder von Kana ermöglicht und damit den Beginn der Offenbarung Jesu herbeiführt, und die am Ende seines Wirkens ein zweites Mal auftritt und bei seinem Tod unter dem Kreuz steht. Diese Frau ist Mutter Gottes, weil sie den herrlichen Anfang und das furchtbare Ende, den Aufstieg und den Fall im irdischen Wirken des Gottesssohnes treu begleitet hat. Ein wieder anderes Bild von der Mutter Jesu vermittelt uns Markus. Nach dem Evangelium des Markus wird Jesus von seiner Mutter für verrückt gehalten, will sie ihn aus der Menge nach Hause holen. Doch Jesus kümmert sich nicht darum und sagt zu seinen Zuhörern: „Wer ist meine Mutter, wer sind meine Brüder? Jeder, der das Wort Gottes hört und es befolgt, ist mir Mutter, Bruder und Schwester.“

Sind diese drei Darstellungen der Mutter Gottes nun Widersprüche in der Bibel? Nein, nicht unbedingt! Es sind einander ergänzende Aspekte von Mutterschaft in ihrem Bezug auf Jesus. Es sind die verschiedenen Aspekte des Mutter-Seins ganz allgemein. Mutterschaft als Existenzbegründung, Mutterschaft als Ermöglichung und liebende Begleitung und Mutterschaft als schmerzhaft zu überschreitende Begrenzung. Und all das mag auch Jesus in seinem kurzen Leben erfahren haben, insofern er nicht nur ganz Gott, sondern zugleich auch stets ganz Mensch gewesen ist.

Der Titel „Mutter Gottes“ und ihre Darstellung auf dem Thron mit dem göttlichen Kind am Schoß kommen aus dem alten Ägypten. Dort wurde die Göttin Isis als Mutter des Gottes Horus hoch verehrt. Ihr berühmtestes Heiligtum befand sich auf der Nilinsel Philae bei Assuan. Isis heißt „Thron“, und der Horus-Knabe steht für die aufgehende Sonne. Die ägyptischen Christen haben in ihr die Mutter Jesu gesehen. Denn nach der Bibel nannten sie Jesus auch die „Sonnne der Gerechtigkeit“. Bei einem Konzil in Ephesus im Jahre 431 verteidigte der ägyptische Bischof Cyrill von Alexandrien daher den Titel „Mutter Gottes“ gegen den Bischof von Konstantinopel, Nestorius, der dagegen einwandte, dass der ewige Gott doch keine Mutter hat und Maria doch nur die Mutter der Menschheit Jesu ist.

Beide hatten auf ihre Weise Recht, doch Cyrill konnte sich durchsetzen. Dem heiligen Cyrill und den alten Ägyptern verdanken wir daher all unsere schönen Gnadenbilder der thronenden Mutter Gottes mit dem Jesuskind auf dem Schoß, auch jene Kopie des Maria-Hilf-Bildes von Lukas Cranach, die in unserer Halleiner Kirche verehrt wird, und zwar am rechten Altar zwischen dem Presbyterium und der Seitenkapelle, in der jetzt zur Weihnachtszeit die große Krippe mit den alten, liebevoll restaurierten Figuren zu bewundern ist.





Autor / Quelle: Dr. Peter Hofrichter, Hallein

Beitrag online bis 13.1.2004 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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