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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
Diese Seite als Druckausgabe


Ich bin nicht die Quelle des Lichts.
Aber ich kann das Licht bezeugen:
In meinem Lachen und Weinen,
in meinem Reden und Schweigen,
im Lieben und Helfen,
kann sein Licht
durch mich hindurchleuchten.


Das Wort – gesprochen, geschwiegen, geschrieben.
Das Wort – im Passiv, im Präsens, im Plural.
Das Wort – getrennt, gebeugt, gesteigert.
Alles geschieht mit dem Wort auch im Fleisch.
Aber ausradieren könnt ihr es nicht.



2. Jänner 2005 - 2. Sonntag nach Weihnachten

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.

„Ach, zieh mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein“, klingt es vielen vielleicht noch als Gesang in Herzen und Ohren. Ich erinnere mich, wie ich mir das einst mit kindlicher Naivität ganz konkret vorzustellen versuchte: Jemand, der einzieht, hat ein Zuhause gefunden, ist nun vielleicht mein Nachbar, meine Mitbewohnerin, lebt bei mir um die Ecke. Und das offenbar nicht allein, sondern zusammen mit einer Freundin oder Verwandten, der Gnade eben, die wiederum mit der Freundlichkeit verbündet zu sein scheint. Kindliche Bilder sind oft hilfreich und wahr. Wie wollte man abstrakte Begriffe wie Sanftmütigkeit, Barmherzigkeit, Lust, Freudensonne, Herrlichkeit, mit denen das Lied den kommenden Heiland charakterisiert, treffender bei sich „ankommen“ lassen, als eben in Gestalt eines Bildes von guter Nachbarschaft oder Hausgemeinschaft in gespannter Vorfreude auf die wohl täglichen Begegnungen mit dem, der da neu Einzug gehalten hat, der nun unter uns wohnt. Und ähnliche Worte verwendet auch Johannes, um zu bezeugen, was er zu bezeugen hat: Gnade, Wahrheit und Herrlichkeit treten uns in Jesus lebendig vor Augen, lassen uns Gottes Freundlichkeit erfahren – nicht unerreichbar fern, sondern mittendrin in unserem Leben. Seither grüßen sie uns auf den Straßen und Wegen und kommen gern zu Besuch – wenn wir ihnen die Tür öffnen.




Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag Aachen - Susanne Brandt

Beitrag online bis 30.1.2005 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (31.12.04 - 06.01.05 - ) / 968 / 173